Die DSV gehört zu den Pionieren der Rapszüchtung und des Rapsanbaus. Seit den 1960er Jahren sind wir maßgeblich am Erfolg der Rapszüchtung in Europa beteiligt und haben dazu beigetragen, dass sich der Rapsanbau europaweit ausdehnen konnte. Seit mehr als 20 Jahren konzentrieren wir uns auf die Entwicklung von Hybridsorten. Abgesehen von den höheren und stabileren Erträgen, die durch Hybridsorten erzielt werden, ermöglicht uns die Hybridzüchtung, neue Krankheitsresistenzen schneller als in der Vergangenheit einzuführen und zu kombinieren. So sind wir in der Lage, schneller auf die sich ändernden Bedürfnisse der Landwirte zu reagieren. Länderspezifisch werden unsere Sorten unter der Marke DSV oder RAPOOL vertrieben. In Europa sind wir gegenwärtig der Marktführer bei Winterraps in Deutschland (RAPOOL), der Tschechischen Republik und der Ukraine Zusätzlich zum Winterraps verfügen wir auch über eine sehr leistungsfähige Sommerrapszüchtung, was uns in die Lage versetzt, viele Rapsanbauregionen der Welt mit angepassten Rapssorten beliefern zu können. Dazu gehören auch Hybridsorten, die Sommer- und Winterraps kombinieren, sogenannte RUNNER-Typen.
Als innovativer Pflanzenzüchter bedienen wir uns eines breiten Repertoires an klassischen und modernen Techniken, um signifikante Zuchtfortschritte zu realisieren. Dabei ist es das Ziel, in der Zukunft den Erfolg des Rapsanbaus durch multiresistente, robust und anpassungsfähig wachsende, hochertragreiche Rapssorten abzusichern, die auch für herausfordernde Witterungs- und Klimaverhältnisse gerüstet sind.
Botanisch gesehen ist Raps eine „Additionshybride“ und besitzt Erbgut von Kohl und Rübsen. Er gehört zu der Familie der Brassicaceaen (Kreuzblütler). Genetisches Material aus den Urformen Kohl und Rübsen wird auch heute noch genutzt, um hochleistungsfähiges Zuchtmaterial zu entwickeln.
Jede Elternlinie, die zur Entwicklung einer später vermarkteten Hybridsorte verwendet wird, hat ihre eigene „Landkarte“, auf der die phänotypischen Leistungen und genetischen Positionen ihrer wertbestimmenden Merkmalseigenschaften für Ertrag, Agronomie, Resistenz und Qualität festgehalten sind. Diese Informationen sind die Basis der Züchtung. Noch vor der Kreuzung im Rahmen der Neuzüchtung bzw. Produktion von neuen sogenannten Experimentalhybriden können daher unsere erfahrenen Rapszüchter erahnen und abschätzen, aus welchen Elternlinien mit hoher Wahrscheinlichkeit neue leistungsfähige Elternlinien und neue, robuste, ertragreiche Hybridsorten gezüchtet werden können.
Aus tausenden Kreuzungen, die von Hand im Gewächshaus vorgenommen werden, werden einige Zehntausende Doppelhaploide Pflanzen (DHs) erstellt. Ihre Nachkommen (= DH-Linien) werden in Beobachtungsparzellen im Feld angebaut, beobachtet und bonitiert. Die besten DH-Linien werden gezielt mit Testelternlinien kombiniert. Die so entstandenen Experimentalhybriden werden mehrortig und mehrjährig geprüft. Es werden umfangreiche Bonituren, wie z. B. Feldaufgang, Entwicklung vor/nach Winter, Krankheiten, Blühbeginn und -ende, Reifezeitpunkt und Standfestigkeit, durchgeführt. Darüber hinaus werden die entscheidenen Leistungskriterien Kornertrag und Ölgehalt erfasst. Beste Experimentalhybriden werden für eine Sortenanmeldung vorbereitet. Dies schließt die Produktion von Saatgut sowohl der eigentlichen Hybride als auch ihrer Elternkomponenten ein.
Nur selten ist eine Rapssorte so breit adaptiert, dass sie in ganz Europa angebaut werden kann, denn die Anforderung an eine Sorte sind regionsspezifisch sehr unterschiedlich (Klima, Boden, Fruchtfolge). Entsprechend werden Sortenkandidaten bei Raps europaweit unter verschiedenen Witterungs- und Klimaverhältnissen getestet, um die regional am besten adaptierten und damit leistungsfähigsten Sortenkandidaten zu erkennen und zur Sortenzulassung anzumelden. Die moderne Datenverarbeitung liefert zunehmend komplexere Auswertungsprogramme, die es ermöglichen, deutlich größere Datensätze auch durch Integration regionaler Boden- und Klimadaten zu verrechnen. Das versetzt uns in die Lage, beste, regional angepasste Sortenkandidaten sicherer zu identifizieren.
Raps wird in erster Linie zur Rapsölproduktion für die Lebensmittelgewinnung und daneben für die industrielle Nutzung angebaut. Hieraus ergeben sich besondere Qualitätsanforderungen für das Fettsäuremuster - ein hoher Erukasäureanteil (= Eruca-Raps) für die industrielle Nutzung und ein hoher Ölsäuregehalt kombiniert mit einem niedrigen Linolensäuregehalt (HOLL-Raps) als Frittieröl im Lebensmittelbereich. Darüber hinaus kann das Rapsprotein, das in dem nach der Ölextraktion verbleibenden Rapskuchen enthalten ist, eine breitere Verwendung als nur in der Tierfütterung finden. Qualitätszüchtung ist daher ein integraler Bestandteil der Rapszüchtung.
Von der ersten Kreuzung bis zur fertigen Sorte für den Markt vergehen 12 Jahre. Während der ersten sieben Jahre Züchtung, die vorwiegend im Gewächshaus, Klimakammer und Freiland stattfindet, sind die Züchter für die erfolgreiche Auswahl und Fortentwicklung der besten Elternlinien und Hybriden zuständig. Nach sieben Jahren werden die besten Sortenkandidaten für das Sortenzulassungsverfahren angemeldet und in der Regel drei Jahre in den national durchgeführten Wertprüfungen - in Deutschland durch das Bundessortenamt - geprüft. Nur Sortenkandidaten, die sich in der parallellaufenden Registerprüfung in mindestens einem Leistungsmerkmal als besser als alle bisher zugelassenen Sorten erweisen und damit über den landeskulturellen Wert verfügen, werden zugelassen. Nach erfolgreicher Sortenzulassung folgen Versuche der landwirtschaftlichen Beratung für die Sortenempfehlung. Diese Versuche werden in Deutschland als Landessortenversuche bezeichnet. Zeitgleich zu diesen Versuchen erfolgt bei der DSV die Saatgutproduktion von Vorstufen- und Basissaatgut der Elternlinien und von zertifiziertem Saatgut der zugehörigen Hybridsorte. Die Sorte ist jezt vertriebsfähig.