Der Familienbetrieb Wubben aus Nootdorp, Niederlande baut seit dem Jahr 1961 Nerinen und Amaryllis auf etwa 20 ha an. Im vergangenen Jahr integrierten sie erstmalig vielfältige Zwischenfrüchte in die Fruchtfolge. Rowan Timmer (DSV) besuchte Paul Wubben sowie seinen Sohn Kevin und Neffen Ronald, die ebenfalls im Betrieb aktiv sind. Sie sprechen über erste Erfahrungen des Zwischenfruchtanbaus im Gewächshaus.

Vom Brachland zum Gründünger

„Zwischen zwei Nerinen-Anbauzyklen liegt der Boden 8 bis 9 Wochen brach. Unser Berater gab uns den Tipp eine Zwischenfrucht zu integrieren. Üblicherweise trocknet der Boden zwischen zwei Anbauphasen der Blumen stark aus, das reduziert Bodenleben und -fruchtbarkeit. Daher haben wir uns im Zwischenfruchtanbau probiert. Nach erster Skepsis aufgrund des zusätzlichen Aufwandes, war die Aussaat und das spätere Einarbeiten der Zwischenfrucht doch einfach umzusetzen.“

Wubben entschied sich für eine Kombination der Zwischenfrüchte TerraLife®-BetaSola und -WarmSeason. „Wir haben zwei verschiedene Mischungen ausprobiert, um zu sehen, wie sich das in einem achtwöchigen Gewächshausanbau bewährt. Wir haben wählten BetaSola aufgrund der tiefen Wurzelbildung. Eine zweite Variante war eine Mischung aus BetaSola und WarmSeason, um mehr Vielfalt zu erreichen.“ Beide Mischungen blühten erst recht spät. „Und das ist gut so, denn sobald sie zu blühen beginnen, werden sie für Thripse interessant.“

Foto: DSV-Vertreter Rowan Timmer betrachtet zusammen mit Paul, Kevin und Ronald Wubben die Zwischenfrucht und ihre Wirkung im Boden.

Angepasste Bewässerung

Der erste Versuch des Zwischenfruchtanbaus verlief nicht optimal. „Wir haben zu lange bewässert, wodurch der Ölrettich eingegangen ist“, sagt Paul Wubben. Dennoch erkannten die Landwirte sofort die Vorteile und beschlossen, auf Anraten von Rowan Timmer einen zweiten Versuch mit einer angepassten Bewässerungsstrategie zu unternehmen. „Zu Beginn haben wir bewässert, später im Anbau haben wir damit komplett aufgehört. Das hat viel besser funktioniert. Die BetaSola wurde am 18. Februar ausgesät und sieht jetzt fantastisch aus“, sagt Paul Wubben zufrieden.

Ein neuer Ansatz: Fokus auf das Bodenleben

„Früher haben wir den Boden tief gedämpft und alles abgetötet, um eine möglichst sterile Umgebung zu schaffen“, erzählt Ronald Wubben. „Jetzt entscheiden wir uns genau für das Gegenteil: das Bodenleben zu erhalten.“ Das Dämpfen erfolgt nur noch oberflächlich, und auch der Untergrundlockerer wird nicht mehr durch den Boden geführt. „Die Zwischenfrucht lockert den Boden auf, sodass wir nicht mehr mit dem Traktor ins Gewächshaus fahren müssen. Für die Bodenresilienz ist es besser, wenn die Schichten aufeinander liegen bleiben, anstatt alles auseinanderzureißen. Wir wollen nun auch einen Versuch starten, bei dem wir einen Teil der Fläche gar nicht mehr dämpfen.“

„Angesichts des heutigen Wissensstands erscheint es nicht mehr richtig, den Boden zu dämpfen oder brach liegen zu lassen.“

Sichtbare Effekte des Zwischenfruchtanbaus

„Wir stellen fest, dass der Boden durch eine Zwischenfrucht mehr Wasser aufnimmt. Das haben wir bereits nach einer Anbauphase beobachtet. Vor allem der Rettich lockert den Boden auf. Außerdem beobachten wir einen erhöhten Humusanteil und eine schöne, krümelige Struktur.“

Doch damit nicht genug: Auch die Hauptkultur profitiert davon. „Wir bemerken insgesamt ein stärkeres Wachstum der Nerinen. Sie bilden mehr Blätter und stehen robuster im Boden als zuvor, da sie sich besser etablieren können. Außerdem ist der Boden weniger schnell gesättigt, wodurch mehr Sauerstoff zur Verfügung steht“, sagt Paul Wubben. „Wir haben weniger Ausfall im Hauptkulturanbau und behalten deutlich mehr gute und größere Knollen. Zudem konnten wir auch deutlich mehr Stiele schneiden. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Gründüngungspflanzen dazu einen positiven Beitrag geleistet haben.“

Fruchtfolge im Turbo-Modus

„Früher war dieses Grundstück Grünland. Nach dem Bau des Gewächshauses haben wir zum ersten Mal auf frischem Boden angebaut. Die Ernte war deshalb hervorragend“, erzählt Paul Wubben. „Durch eine Fruchtfolge mit Zwischenfrüchten versuchen wir, denselben ‚Frischboden’-Effekt zu erzielen.“

Die Zwischenfrüchte werden in die Fruchtfolge integriert, wenn das Gewächshaus mindestens sechs Wochen lang leer steht. Die Mischungen werden mit einer Granulatsämaschine oberflächlich ausgesät und anschließend leicht eingeharkt. Der Anbau wird beendet, indem die Pflanze mit einem Schlegelmäher bis etwa 10 Zentimeter über dem Boden zerkleinert wird. Innerhalb weniger Tage danach werden effektive Mikroorganismen ausgebracht, um die Zersetzung zu beschleunigen und das Bodenleben zu aktivieren. „Dadurch stehen die Nährstoffe aus der Zwischenfrucht der folgenden Hauptkultur schneller zur Verfügung“, so Paul Wubben.

„Mit der Zwischenfrucht versuchen wir, den Effekt von ‚frischer Erde‘ zu erzielen.“

Herausforderungen beim Zwischenfruchtanbau unter Glas

„Bei unserem ersten Versuch hatten wir Probleme mit Thripsen“, erzählt Kevin Wubben. „Das lag daran, dass die Pflanze in die generative Phase überging. Die Lösung besteht darin, vor dieser Phase zu häckseln. Außerdem ist es wichtig, die Thripse gut zu überwachen. Inzwischen haben wir dafür einen Plan und setzen biologische Schädlingsbekämpfung mit Raubmilben ein.“

„Wir düngen die Zwischenfrüchte nicht, denn sie allein sind der Dünger für unsere Fruchtfolge. Der Zwischenfruchtanbau war für uns so erfolgreich, dass wir diese Methode künftig bei allen Nerin-Kulturen anwenden werden“, schließt Paul.