Mit einer Beisaat im Raps Erdflohlarven reduzieren
Den Rapserdfloh in den Griff zu bekommen, wird immer schwieriger. Neue Versuchsergebnisse der Deutschen Saatveredelung AG (DSV) zeigen, dass die Beisaat einen wirkungsvollen Baustein im Umgang mit dem Rapserdfloh darstellen kann. Mit der Raps-Beisaatmischung TerraLife®-BrassicaPro ließ sich die Anzahl der Erdflohlarven um bis zu 42 % reduzieren.
Schadwirkung des Rapserdflohs im Raps
Raps ist eine wirtschaftlich attraktive Kultur in der Fruchtfolge. Gleichzeitig stellt der Rapserdfloh aufgrund zunehmenden Befalls und einer sich verschärfenden Resistenzsituation gegenüber Insektiziden eine immer größere Herausforderung für den Rapsanbau dar. Der Schädling kann den Bestand zu zwei Zeitpunkten im Anbaujahr erheblich schädigen. Bereits der adulte Käfer kann durch Lochfraß an den Keimblättern die Jugendentwicklung der Rapspflanzen deutlich beeinträchtigen. Bei erfolgter Eiablage nimmt der Schaden seinen Lauf: Nach dem Schlupf bohren sich die Larven in die Blattstiele der äußeren Rapsblätter ein und verursachen dort zunächst Minierfraß. Anschließend können sie bis in die Sprossspitze eines Triebes wandern, wo sie durch ihren Fraß die Entwicklung der Rapspflanze erheblich beeinträchtigen können. Ein starker Larvenbefall schwächt die Pflanzen erheblich und kann, ebenso wie massiver Käferfraß im Herbst, zum Absterben einzelner Rapspflanzen oder zu weitaus größeren Schäden führen.
Resistenzen erschweren die Bekämpfung
Die chemische Bekämpfung des Rapserdflohs wird zunehmend durch Resistenzen gegenüber synthetischen Insektiziden erschwert. Eine wichtige Form ist die KDR-Resistenz (knock-down resistance). Dabei führen Veränderungen am spannungsabhängigen Natriumkanal – dem Wirkort der Pyrethroide (eine Klasse der synthetischen Insektizide) – dazu, dass der Rapserdfloh weniger empfindlich auf diese Wirkstoffe reagiert. Die für Pyrethroide typische, schnelle Lähmung (knock-down) des Schädlings bleibt aus oder ist deutlich schwächer.
Eine noch stärkere Form ist die sKDR-Resistenz (super knock-down resistance). Hier sorgen zusätzliche oder kombinierte Veränderungen am Wirkort für ein noch höheres Resistenzniveau. In solchen Populationen können Pyrethroide ihre Wirkung nur noch stark eingeschränkt entfalten. Es wurden jedoch auch Mutationen gefunden, bei denen aufgrund sehr hoher Resistenzfaktoren von einem vollständigen Wirkungsverlust im Feld ausgegangen werden muss.
Werden Wirkstoffe derselben Wirkstoffgruppe wiederholt eingesetzt, steigt der Selektionsdruck und resistente Käfer können sich stärker vermehren. Gleichzeitig erschweren ein langanhaltender Zuflug der Käfer und die über mehrere Wochen mögliche Eiablage die Bestimmung des optimalen Behandlungszeitpunkts. Insektizide sollten deshalb nur nach einem Monitoring und beim Überschreiten der geltenden Bekämpfungsschwelle entsprechend der aktuellen Zulassung eingesetzt werden. Vorbeugende und nicht-chemische Maßnahmen gewinnen daher zunehmend an Bedeutung.
Warum eine Rapsbeisaat einsetzen?
Eine Beisaatmischung kann dazu beitragen, den Befall von Rapspflanzen mit Rapserdflohlarven zu reduzieren. Die Deutsche Saatveredelung AG (DSV) hat diesen Effekt bereits über mehrere Jahre hinweg an den DSV Züchtungsstandorten Terminiers (Frankreich, etwa 120 km südlich von Paris) und Asendorf (Niedersachsen, Deutschland) mit der Beisaatmischung TerraLife®-BrassicaPro untersucht. Die zuvor schon positiven Tendenzen aus den vorherigen Jahren ließen sich in diesem Anbaujahr statistisch absichern. Im Vergleich zu einem Rapsbestand ohne Beisaat verringerte sich die Anzahl der Erdflohlarven am Versuchsstandort in Terminiers um bis zu 42 %. Dies entspricht einer Reduzierung von 110 auf 64 Larven je Pflanze – ein deutlicher Rückgang, bei sehr hohem Ausgangsbefall. In Asendorf konnte die Anzahl der Larven – bei weitaus geringerem Druck – um 20 % signifikant reduziert werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand lässt sich sagen, dass die Bedeutung einer Beisaat zur Unterstützung der Rapserdflohlarvenbekämpfung bei zunehmenden Larvenzahlen steigt und die Reduktion der Rapserdflohlarven auf eine Ablenkungswirkung der Beisaat zurückzuführen ist.
Wie wurde die Wirkung der Beisaat ermittelt?
Die Auswertung erfolgte mithilfe des Berlèse-Verfahrens, einem bewährten Standard zur Erfassung von Rapserdflohlarven. Dafür wird je Variante eine festgelegte Zahl repräsentativer Pflanzen an mehreren Stellen der Fläche entnommen. Die Pflanzen werden einzeln oder in definierten Gruppen auf ein Gitter beziehungsweise in einen Trichter über einem Auffanggefäß gelegt. Im klassischen Aufbau erzeugt eine Lampe von oben Licht und Wärme; beim passiven Verfahren trocknet das Material in einem warmen Raum. Die beweglichen Larven verlassen die Pflanzen, wandern nach unten und fallen in Wasser, das mit einem Tropfen Spülmittel oder einer Konservierungsflüssigkeit gemischt ist. Die Gefäße werden regelmäßig kontrolliert und die Larven ausgezählt. Das Ergebnis wird als Larvenzahl je Pflanze angegeben. Vergleichbare Resultate setzen gleiche Pflanzenzahlen, Entnahmetermine, Temperaturen und Austreibungszeiten voraus. Für belastbare Versuchsvergleiche sind außerdem Wiederholungen und eine standardisierte Durchführung wichtig.
Fazit: TerraLife®-BrassicaPro für weniger Rapserdflohlarven
Die Ergebnisse zeigen, dass TerraLife®-BrassicaPro einen wertvollen Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz leisten kann. Neben ihrer insektenablenkenden Wirkung verbessert die gezielte Kombination verschiedener Pflanzenarten die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben, optimiert die Nährstoffdynamik und schützt den Boden vor Erosion. Vor dem Hintergrund von KDR und sKDR gewinnt die Kombination aus Monitoring, vorbeugenden Anbaumaßnahmen, objektiver Befallsbewertung mit dem Berlèse-Test und einem gezielten Insektizideinsatz weiter an Bedeutung.