Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Helminthosporium (HTR)-Blattdürre (Helminthosporium tritici-repentis = DTR Drechslera tritici-repentis)

Befallene Getreidearten: Weizen, Triticale

Schadbild/Verwechselungsmöglichkeiten

HTR/DTR tritt besonders im Weizen auf, aber auch Triticale kann befallen werden. Häufig übersieht man die Primärinfektionen, die nur im April und Mai von Strohresten auf der Bodenoberfläche durch Ascosporen aus kleinen schwarzen Fruchtkörpern (Pseudothezien) ausgehen: Es sind rundliche, gleichmäßig hellbraun gefärbte Flecke auf bodennahen Blättern. Charakteristisch sind erst die Sekundärinfektionen durch die Konidiosporen: Es bilden sich erst dunkelbraune Infektionspunkte, auf einzelnen Sorten auch dunkelbraune Ringsymptome mit 3 mm Durchmesser. Darum entsteht - bedingt durch die Toxine des Pilzes - ein gelber Hof. Die Befallsstellen wandeln sich dann in Nekrosen um, in denen die dunklen Infektionszentren noch lange erhalten bleiben. In diesen Blattnekrosen können auf Konidienträgern (im Lupenbild; einzeln stehend, langgestreckt, dunkelbraun) neue Konidiosporen gebildet werden. Das Endstadium der Erkrankung ist schließlich eine von der Blattspitze her fortschreitende Blattdürre. Die Blattachsel bleibt allerdings - anders als bei Septoria nodorum - lange nahezu befallsfrei. Ährenbefallssymptome findet man nur selten. Einige wenige dunkelbraune Punkte von höchstens 2 mm Länge und 1 mm Breite auf den Hüllspelzen zeigen starken Infektionsdruck durch HTR an. Diese Befallszeichen entstehen schon in der frühen Kornbildungsphase und verändern ihre Größe bis zur Reife nicht mehr. Den mit HTR verseuchten Weizenkörnern ist der Befall äußerlich nicht anzusehen. Typische Symptome eines Keimlingsbefalls sind vereinzelt bis zu 2 mm lange strichförmige Verbräunungen auf der Koleoptile. HTR-Blattsymptome können leicht mit jenen von Septoria nodorum verwechselt werden.

Biologie, befallsfördernde Faktoren

Der zunehmende Stoppelweizenanbau ist ein wichtiger Grund für die Zunahme des HTR/DTR-Befalls in den letzten Jahren. Der Pilz überdauert an der Bodenoberfläche auf Strohresten, von dort infiziert er mittels Ascosporen gesunde Pflanzen. Die weitere Ausbreitung erfolgt dann über Konidiosporen bei einem Temperaturoptimum von 21-23°C. Die Sporenbildung erfolgt bei feuchtwarmem Wetter, die Sporenverbreitung durch Wind bei trockener Witterung. Für die erfolgreiche Infektion sind 6 bis 48 Stunden Blattnässe erforderlich (Tau ausreichend). Warme, wechselfeuchte Witterung mit ausreichender Taubildung begünstigt deshalb die epidemische Ausbreitung. Entsprechende Bedingungen sind häufig ab EC 37/39 gegeben. Bei Temperaturen um 20-25°C beträgt die Latenzzeit nur 3-4 Tage. Nach 6-8 Tagen findet bereits die Sporulation der neu gebildeten Fruchtkörper statt. Das Befallsrisiko ist hoch bei Weizen nach Weizen, Ernterückständen auf der Bodenoberfläche und anfälligen Sorten. Es gibt zwischen den Weizensorten nur quantitative Resistenzunterschiede. Sie werden erst wirksam, wenn die Pilzhyphen in die Zellzwischenräume des Mesophylls eingedrungen sind (Ausbreitungsresistenz). Die Anfälligkeit des Weizens steigt mit zunehmendem Blattalter. Befall mit H. tritici-repentis wird auch durch Stress der Wirtspflanze (z.B. nach unsachgemäßer Herbizidbehandlung) gefördert.

Bekämpfung /Vorbeugende Maßnahmen

Um den Primärbefall vorzubeugen, sollte man Anbau von Weizen nach Weizen möglichst vermeiden oder wenigstens die Stoppelreste sorgfältig einarbeiten. Günstig wirkt sich jede Bodenbelebung, z.B. durch Gründüngung aus. Eine wichtige Rolle spielt die Wahl wenig anfälliger Sorten. Sie werden zwar befallen, aber die Läsionen wachsen wesentlich langsamer. In hoch anfälligen Weizenbeständen ist wegen der möglichen schnellen Ausbreitung eine rasche Bekämpfung notwendig, sobald der Schaderreger auf ersten Befallsstellen Sporenträger und Konidiosporen gebildet hat und günstige Witterungsbedingungen (wechselfeuchte und warme Witterung) für eine weitere Ausbreitung vorherrschen. Die Bekämpfungsschwelle ist z.B. in EC 33-39 erreicht, wenn 5% der Pflanzen im Bestand auf den Blättern F-4/F-5 Symptome zeigen.