Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Echter Mehltau (Erysiphe graminis)

Schadbild/Verwechselungsmöglichkeiten

Echter Mehltau äußert sich am auffälligsten durch die Bildung weißer, watteartiger Pilzgeflechte, die sich zu mehr oder weniger großen Polstern entwickeln und allmählich zu einem mehligen, abwischbaren Belag verdichten. Die weißen Pusteln erscheinen zuerst auf der Oberseite der Blätter, an den Blattscheiden und Halmen, bei Weizen auch an den Ähren, zunächst an der Längskante der Spelzen. Ältere Pusteln verfärben sich zu pelzigen, graubraunen Belägen, in denen gegen Vegetationsende die etwa 0,2 mm großen, dunkelbraunen bis schwarzen, kugeligen Fruchtkörper zu erkennen sind. Erste Mehltausymptome zeigen sich vorzugsweise an dichten Stellen im jungen Getreidebestand. Stark erkrankte Blätter vergilben und sterben vorzeitig ab. Alle oberirdischen Pflanzenteile, einschließlich Grannen, können befallen werden. An alten, abgewaschenen Mehltau-Pusteln erscheinen nach ungünstiger Witterung, bei auftretender Altersresistenz oder an teilresistenten Getreidesorten schwarzbraune Blattflecke (Teerflecke), die mit Symptomen der Netzfleckenkrankheit, Braunfleckenkrankheit, Magnesium-Mangel oder an den Ähren mit der Spelzenbräune verwechselbar sind.

Biologie/befallsfördernde Faktoren

E. graminis kann nur lebendes grünes Pflanzengewebe befallen; er lebt auf der Oberfläche des Wirtsgewebes. Mit starkem Mehltaubefall ist bei warmer, relativ trockener Frühjahrs- oder Herbstwitterung zu rechnen (reichliche Sporenproduktion und starker Sporenflug). Hohe Luftfeuchtigkeit, nicht aber Regen, Temperaturen zwischen 18 und 22°C, abwechselnd warme und feuchte Tage wirken befallsfördernd. Besonders gefährdet sind Bestände in windgeschützten Lagen, Flußauen und Nebelsenken oder Standorte mit hohem Stickstoffpool im Boden (Veredelungsbetriebe).

 

Die Mehltauentwicklung kann im Bestand explosionsartig erfolgen, da bereits zwei Sporengenerationen, die unter günstigen Bedingungen in etwa 10 Tagen gebildet werden, für einen Epidemiebeginn ausreichen. Unter optimalen Bedingungen entstehen auf 1 mm² Blattfläche etwa 5000-6000 Konidiosporen. Sie sind nur wenige Tage lebensfähig. In den Sortimenten der Hauptgetreidesorten gibt es Sorten mit sehr unterschiedlich ausgeprägter vertikaler (=rassenspezifischer ) und horizontaler (=rassenunspezifischer) Resistenz. Je größer die Verbreitung einer Sorte mit einem oder mehreren rassenspezifischer Resistenzgenen ist, desto größer ist auch der Druck auf die Mehltaupopulation zur Selektion virulenter (=die Resistenz überwindender) Mehltaupathotypen.

Bekämpfung /Vorbeugende Maßnahmen

Zu den wichtigsten pflanzenbaulichen Maßnahmen gegen Getreidemehltau zählt die rechtzeitige Beseitigung von Ausfallgetreide im Herbst, bei Wintergetreide eine nicht zu frühe, aber bei Sommergetreide eine möglichst frühe Aussaat. Beim Anbau sollte auf resistente Sorten zurückgegriffen werden, gerade in Bezug auf Mehltauresistenz gibt es bei allen Getreidearten große Sortenunterschiede. In einer Flur sind von einer Getreideart möglichst mehrere Sorten mit unterschiedlichen Resistenzgenen (s. BSA-Liste) anzubauen. Sommergerste sollte nicht in der Hauptwindrichtung von Wintergerste stehen. Überhöhte Bestandesdichten sind zu vermeiden. Wichtig ist eine ausgewogene an das Ertragsziel angepasste N-Versorgung sowie der Anbau resistenter Sorten. Der Fungizideinsatz ist sinnvoll bei Anfangsbefall nach regional unterschiedlichen Bekämpfungsschwellen (z.B. 50 % der Pflanzen auf F-3/F-4 oder höheren Etagen befallen), wenn zugleich günstige Witterungs- und Anbauvoraussetzungen für eine weitere Mehltauentwicklung gegeben sind. Es gibt eine Palette von Fungiziden mit guter Stopp- und Kurativwirkung. Auf Standorten mit regelmäßigem, starkem Befall kann auch prophylaktisch der Einsatz eines vorbeugenden Fungizides mit langer Wirkung eingesetzt werden. Zu beachten ist, dass bei Mehltau in einigen Regionen bereits strobilurinresistente Rassen aufgetreten sind. Strobilurinmittel sind deshalb mit anderen Wirkstoffpräparaten zu kombinieren bzw. es sind Kombinationspräparate zu verwenden.