Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Greening als Chance nutzen

Die neue EU-Agrarreform ist ab dem 01.01.2015 wirksam und wird in nationales Recht umgesetzt. Grundsätzlich stützt sich die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) wie bisher auf die Säulen der Direktzahlungen einerseits und die Entwicklung der ländlichen Räume andererseits. Für landwirtschaftliche Betriebe, ausgenommen ökologisch wirtschaftende Betriebe, sind primär die Direktzahlungen in Form von Flächenprämien relevant, die nun zu 30 % an Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden gebunden sind. Diese gliedern sich in Anbaudiversifizierung, Erhalt von Dauergrünland und die Bereitstellung ökologischer Vorrangflächen.

Zunächst scheint das alles eine weitere Reglementierung der Landwirtschaft zu sein. Schnell werden aber auch Chancen sichtbar, denn viele Maßnahmen, wie zum Beispiel der Zwischenfruchtanbau oder Untersaaten, können praxisübliche, intensive Produktionsweisen ideal ergänzen. Auch die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung kann wieder verbessert werden.

Bei der DSV werden seit Jahrzehnten komplexe Anbaumethoden für ökonomische Fruchtfolgen entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft entstanden intelligente Systeme für Untersaaten, Bioenergie, Futterbau und Zwischenfruchtanbau.

Mit intelligent geplanten Fruchtfolgen können nicht nur Greeningvorgaben erfüllt werden, sie tragen auch zur Effizienzsteigerung bei, fördern die Bodenfruchtbarkeit und beeinflussen gerade in intensiven Produktionssystemen die Ertragsfähigkeit nachhaltig.

  

Greening im Überblick

Was heißt Anbaudiversifizierung im Rahmen des Greenings?

  • Betriebe mit 10 – 30 ha Ackerfläche müssen mindestens zwei Hauptkulturen anbauen
  • Eine Hauptkultur darf maximal 75 % der Ackerfläche einnehmen
  • Betriebe mit über 30 ha Ackerfläche müssen mindestens drei Hauptkulturen anbauen
  • Eine Hauptkulturart darf maximal 75 % bzw. die 1.+ 2. Frucht zusammen maximal 95 % einnehmen
  • Grünland wird nicht als Hauptkultur angerechnet

Von der Anbaudiversifizierung freigestellt ist, wessen landwirtschaftliche Fläche zu mehr als 75 % aus Grünland, Ackerfutter oder Stilllegung besteht und die verbleibende Ackerfläche kleiner als 30 ha ist.

 

Was gilt als eigenständige Hauptkultur?

Sommer- und Wintergetreidearten zählen als zwei verschiedene Kulturarten (z. B. Sommer- und Winterweizen usw.) Als eine Kulturart werden z. B. zusammengefasst:

  • Körner- und Silomais
  • Weichweizen, Hartweizen, Dinkel, Emmer
  • Hafer, Saathafer, Nackthafer, Rauhafer
  • Ackergräser (Weidelgras, Lieschgras usw.) und sonstige Grünfutterpflanzen wie Kleearten und Kleegrasgemische
  • Kulturpflanzenmischungen (Wickroggen, Legu-Hafer-GPS) gelten als eine Kultur, egal welche Komponenten in der Mischung sind und egal, ob es sich um eine Sommerung oder Winterung handelt

Anbaudiversifizierung einfach gelöst - hier finden Sie DSV Konzepte...

 

Was bedeutet „Erhalt von Dauergrünland“ in der Praxis?

Ein generelles Umbruchverbot wird es ab dem 01.01.2015 nur in FFH-Gebieten geben. Diese werden als „extrem umweltsensibel“ eingestuft. Das heißt:

  • Umwandlung von Grünland in Ackerland ist untersagt
  • Eine umbruchlose Grünlanderneuerung ist auf einzelbetrieblichen Antrag möglich

Außerhalb von FFH-Gebieten soll ein sog. „einzelbetriebliches Autorisierungssystem“ eingeführt werden. Dieses verhindert den Umbruch von Grünland, wenn die Grünlandfläche gegenüber dem Referenzjahr 2012 (plus neu entstandene GL-Flächen bis zum 01.01.2015) auf ein Bundesland bezogen, um mehr als 5 % gesunken ist. Danach ist die Grünlandumwandlung nur bei entsprechender Neuanlage in gleichem Umfang möglich.

Dauergünland im Rahmen des Greenings pflegen - hier finden Sie DSV Konzepte...

 

Was sind ökologische Vorrangflächen (öVF) und was muss beachtet werden?

Grundsätzlich müssen Betriebe, deren Ackerflächen mehr als 15 ha betragen, zunächst 5 % als ökologische Vorrangfläche vorhalten (ggf. ist ab 2018 eine Erhöhung auf 7 % möglich). Ökologische Vorrangflächen müssen nicht ausgewiesen werden, wenn

  • ≤ 15 ha Ackerfläche
  • die landwirtschaftliche Fläche zu mehr als 75 % aus Grünland, Ackerfutter oder Stilllegung besteht und die verbleibende Ackerfläche kleiner als 30 ha ist

Bei Verstößen wird 2015 u. 2016 maximal die Greeningprämie um 100 % gekürzt, bis 2018 ist eine Kürzung um 125 % möglich. Die Betriebe, die ökologische Vorrangflächen vorhalten müssen, können aus einer Liste entsprechende Maßnahmestandards wählen. Die gleichzeitige Durchführung verschiedener Maßnahmen ist möglich. Da die einzelnen Maßnahmen mit unterschiedlichen ökologischen Wertigkeiten eingestuft sind, erhalten diese auch unterschiedliche Gewichtungsfaktoren.

Maßnahmenstandards und deren Gewichtungsfaktoren zur Umsetzung auf ökologischen Vorrangflächen (öVF)

Maßnahmenstandards und deren Gewichtungsfaktoren zur Umsetzung auf ökologischen Vorrangflächen (öVF)

 

Was ist beim Anbau von Leguminosen zu beachten?

  • Der Anbau von stickstoffbindenden Pflanzen wird mit dem Faktor 0,7 als ökologische Vorrangfläche anerkannt, die Betriebe können aus einer breiten Artenliste auswählen
  • Luzerne-/Kleeanbau oder Kleevermehrung sind ebenfalls anrechenbar, Leguminosen dürfen untereinander gemischt werden – nicht erlaubt sind Klee/Luzerne-Gras-Gemenge und Leguminosen mit nicht-legumen Stützfrüchten
  • Nach der Ernte der stickstoffbindenden Kulturen ist eine überwinternde Folgefrucht anzubauen

Leguminosen bereichern die Fruchtfolge - hier finden Sie die Artenliste...

 

Was ist beim Anbau von Zwischenfrüchten zu beachten?

  • Zwischenfruchtanbau wird mit dem Faktor 0,3 als ökologische Vorrangfläche anerkannt (1 ha öVF = 3,33 ha Zwischenfruchtanbau)
  • Für den Zwischenfruchtanbau müssen mindestens zwei Arten in einer Mischung aus einer vorgegebenen, breiten Artenliste verwendet werden, eine Art darf dabei nicht mehr als 60 % an Samen in der Mischung einnehmen, Gräser dürfen ebenfalls in Summe nicht mehr als 60 % Anzahl Samen in der Mischung enthalten sein
  • Wir empfehlen die Saatgutetiketten für eventuelle Kontrollen aufzubewahren
  • Statt einer Zwischenfruchtmischung können auch Untersaaten als öVF angesät werden, dabei dürfen aber ausschließlich Gräser (einzeln oder in Mischung) verwendet werden. Für Untersaaten gelten nach der Ernte der Deckfrucht die gleichen Regelungen wie für Zwischenfruchtmischungen
  • Düngung ist nur mit Wirtschaftsdünger erlaubt (entsprechend DüV), mineralische Düngung ist nicht zulässig, auch Klärschlammausbringung ist ausgeschlossen
  • Chemisch-synthetischer Pflanzenschutz ist generell verboten
  • Die Aussaat der Zwischenfrucht darf nicht vor dem 16. Juli erfolgen
  • Die Aussaat hat vor dem 01. Oktober zu erfolgen
  • Bis zum 20.10. muss die Zwischenfrucht oder Untersaat eine Bodenbedeckung von 40% erreicht haben.
  • Zwischenfrüchte und Untersaaten dürfen im Ansaatjahr nicht genutzt werden (Ausnahme: Beweidung mit Schafen und Ziegen bis zum 31.12. im Aussaatjahr)
  • Keine Bodenbearbeitung bzw. Einarbeitung der Zwischenfrüchte vor dem 15.02. des darauf folgenden Jahres, ein Mulchen/Walzen der Zwischenfrucht ist im Herbst zur Vermeidung der Samenbildung zulässig
  • Nach dem 15.02. dürfen Zwischenfrüchte (z. B. Kleegras) und Untersaaten (Gras) futterbaulich oder energetisch mit einem Schnitt vor der Aussaat einer Hauptfrucht genutzt werden
  • Nur Grasuntersaaten die als Zwischenfrucht genutzt werden, dürfen im Folgejahr in eine Hauptfrucht überführt werden

Zwischenfrüchte als öVF - hier finden Sie DSV Konzepte...

 

Was ist bei der Flächenstilllegung zu beachten?

  • Mit einer Stilllegung von 5 % der Ackerfläche können die Vorgaben der öVF (Faktor 1) ebenfalls erfüllt werden, gleichzeitig kann die Fläche der Anbaudiversifizierung dienen
  • Flächenstilllegungen haben innerhalb des Bezugszeitraumes 01.01. – 31.08. zu erfolgen
  • Folgt nach dem Stilllegungszeitraum der Anbau einer früh auszusäenden Winterung (z. B. Winterraps), ist eine Vorbereitung dieser Fläche (z. B. Bodenbearbeitung) bereits ab dem 01.08. möglich
  • Dauerstilllegungen (mind. 5 Jahre) sind ebenfalls möglich, als Pflegeverpflichtung (z. B. jährliche Mulchtermine) gelten die Regelungen nach Cross Compliance
  • Stilllegungsflächen müssen einen räumlichen Bezug zur Betriebsstätte haben
  • Die Stilllegung muss im Winter begrünt sein
  • Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen sind nicht zulässig
  • Optional sind Selbstbegrünung oder aktive Begrünung möglich – Vorgaben für Begrünungspflanzen gibt es nicht, die DSV empfiehlt eine aktive Begrünung mit geeigneten Mischungen
  • Ackerbrachen, die im Rahmen des Greenings auf öVF angelegt wurden, behalten auch nach fünf Jahren ihren Ackerstatus

Flächenstillegung nur mit gezielter Begrünung - hier finden Sie DSV Konzepte...

 

Können Blüh- und Pufferstreifen angerechnet werden und was ist zu beachten?

  • Mit der Anlage von Pufferstreifen im Randbereich zu Gewässern, Waldrandstreifen oder als Feldrandstreifen können die Vorgaben der öVF (Faktor 1,5) ebenfalls erfüllt werden
  • Pufferstreifen entlang von Gewässern sowie Feldrandstreifen mit mindestens 1 m und maximal 20 m Breite
  • Waldrandstreifen mit mindestens 1 m und maximal 10 m Breite
  • Pufferstreifen können kombinierbar mit den Agrarumweltmaßnahmen der Länder sein
  • Die Vorgaben für Bracheflächen sind für Feldrand- und Pufferstreifen einzuhalten, für Pufferstreifen und Waldrandstreifen ist jedoch eine Schnitt- oder Weidenutzung möglich
 

Hinweis: Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen (Stand 01.2015), aber ohne Gewähr auf Vollständig- und Richtigkeit. Die umfangreichen Rechtstexte werden derzeit in den Bundesländern unterschiedlich interpretiert. Bitte beachten Sie daher die aktuellen Aussagen der regionalen Beratung!