Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Untersaat in Getreide - Kleine Maßnahme, große Wirkung!

getreideuntersaat Eine Grasuntersaat in Getreide ist gemessen an ihren Vorteilen eine überschaubare, einfache und kostengünstige Maßnahme, die bei engen Fruchtfolgen eine interessante Alternative zu bestehenden Anbausystemen ist.

Durch Untersaaten wird die Bodenfruchtbarkeit (Humus) erhalten und verbessert. Sie führen zu einer besseren Befahrbarkeit, einer guten Verwertung von organischen Düngern und können außerdem als Futter- oder Biomasselieferant dienen. Als Greeningmaßnahme können sie im Rahmen der Anlage ökologischer Vorrangflächen einbezogen werden.

Sofern die Auswahl der Gräserart in Verbindung mit Aussaattermin, Sorte und Saatstärke der Deckfrucht abgestimmt wurde, hat die Untersaat keinen negativen Einfluss auf den Ertrag der Deckfrucht, sie kann sie im Gegenteil positiv beeinflussen.


Saattermin je nach Getreideart

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Untersaat in Getreidebestände einzubringen. Die Herbsteinsaat zeitgleich mit oder kurz nach der Saat des Getreides ist bei langsam wachsenden Gräserarten (z.B. Rotschwingel, Schafschwingel) der beste Termin. Bei mittelschnell wachsenden Gräserarten ( z.B. Wiesenschwingel, Knaulgras) hat sich die Winteruntersaat auf Frost bewährt, so dass das Saatgut durch Schnee und Niederschläge gut in den Boden eingewaschen wird. Die Frühjahrseinsaat ist bei schnell wachsenden Gräserarten (z.B. Deutsches oder Welsches Weidelgras) zu bevorzugen.

Grundsätzlich gilt:

  •  langsam wachsende Gräserarten brauchen schwache Deckfrüchte oder eine frühe Einsaat der Untersaat
  •  schnell wachsende Gräserarten brauchen starke Deckfrüchte oder eine späte Einsaat der Untersaat.

Wichtig ist die Kontrolle und ggf. die Bekämpfung von Schnecken in der Deckfrucht, da die kleinen Gräser in beschatteten und feuchten Getreidebeständen sehr gerne gefressen werden. Weiterhin ist Lager in der Deckfrucht unvorteilhaft, da die Untersaaten sonst aufgrund von Lichtmangel eingehen.

Durch eine gezielte Sortenwahl wird die Untersaat begünstigt. Entscheidend ist hier der Lichteinfall, der durch die Bestandesdichte, durch die Blattstellung sowie Blattform des Getreides bestimmt wird.

Der Saattermin der Deckfrucht ist, wie oben schon erwähnt, ebenfalls sehr wichtig. Bei früh gedrillten, dichten Getreidebeständen wird eine Frühjahrsuntersaat schwierig.

 

Flexible Aussaattechnik

Die Anlage der Untersaat kann mit unterschiedlichen Aussaattechniken erfolgen. Wenn die Anlage mit der Deckfrucht erfolgt, kann das Saatgut beigemischt werden (Achtung: flache Saat nötig!). Bei Einsaaten in stehende Bestände oder sofort nach der Saat der Deckfrucht hat sich der pneumatische Düngerstreuer sehr bewährt. Sofern verfügbar, sind auch Grünlandstriegel mit pneumatischer Nachsaateinrichtung eine Alternative. Die Aussaatmenge kann gegenüber einer Stoppelsaat um 25 - 50 % reduziert werden.

Ein wichtiger Punkt für das Gelingen einer Untersaat ist der angepasste Pflanzenschutz. Grundsätzlich stellt die Bekämpfung der Unkräuter kein Problem dar. Mit einigen Produkten können auch Ungräser wie Ackerfuchsschwanz und Windhalm, bei gleichzeitiger Schonung der Untersaat, bekämpft werden.

 

Bedingungen für Greeningmaßnahmen

Nach aktuellem Stand der Diskussion können innerhalb des Greenings ökologische Vorrangflächen auch in Form einer Untersaat angelegt werden. Dabei gilt bisher (Stand 01/2015) die Formulierung, dass nur Grasuntergesät werden darf. Die Untersaat darf in Form einer Einzelart oder einer Gräsermischung eingebracht werden. Nicht zulässig sind Klee-Grasmischungen. Die Fläche muss bis zum 15.02. des nach der Ernte der Deckfrucht folgenden Jahres erhalten werden, darf nicht mineralisch gedüngt, beerntet und im betreffenden Zeitraum chemisch behandelt werden. Eine futterbauliche oder energetische Nutzung der Aufwüchse im Herbst nach der Ernte der Deckfrucht ist nicht zulässig (lediglich Beweidung mit Schafen). Dagegen ist ein Mulchgang im Herbst zur Vermeidung des Überwachsens und zur Förderung der Bestockung erlaubt. Nach dem 15.02. dürfen die Aufwüchse der Grasuntersaat genutzt werden. Im Gegensatz zu sonstigen Zwichenfrüchten ist die Überführung der Grasuntersaat in eine Hauptfrucht möglich.

 

Die Vorteile einer Untersaat in Getreide auf einen Blick

  • „Humusmehrer“ Untersaat: deutliche Anreicherung des Humushaushaltes durch die intensive Durchwurzelung der Untersaaten schon unter der Deckfrucht, was zu einer deutlichen Verbesserung der Bodenstruktur führt
  • Vermeidung / Reduzierung von Nährstoffausträgen (v.a. Nitrat)
  • Schutz vor Erosion
  • Kostengünstige Anlage durch Einsparung der Bodenbearbeitung sowie durch Reduzierung der Saatgutkosten durch geringere Saatstärken
  • Reduzierung von Arbeitsspitzen
  • Die Untersaatnarbe macht den Boden tragfähiger, v.a. bei schwierigen Erntebedingungen
  • Nach der Ernte der Deckfrucht beginnt die Untersaat intensiv zu wachsen und bedeckt den Boden nach kurzer Zeit
  • Alternative Nutzung der Untersaat zur Futtererzeugung (Biogas, Milchvieh)
  • Als Greeningmaßnahme für ökologische Vorrangfläche