Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Getreideläuse

 

bayer-Blattlaeuse

© Bayer

Schadbild

Die Getreideblattläuse verursachen durch ihr Saugen an Blättern und Ähren kein spezifisches Schadbild, sofern sie nur in geringer Dichte auftreten. Bei starkem Befall von Ähren und Rispen sind vor allem die Ährenspindel, die Rispenäste und der Spelzengrund dicht mit Blattläusen besetzt. Geschädigte Ähren erscheinen dann kurz vor der Reife deutlich schmaler als die gesunden. Auf stark befallenen Blättern entstehen zunächst gelbliche Flecke, später vergilben diese Blätter vorzeitig. Bei Saugschäden durch die Haferblattlaus rollen oder kräuseln sich die Blätter manchmal.

Auf den befallenen Pflanzen siedeln sich bei hoher Luftfeuchtigkeit die Schwärzepilze an, die sich auf kohlenhydratreichen Ausscheidungen (Honigtau) der Blattläuse entwickeln. Nach der Abreife zeigt das Getreide ein schmutziges Aussehen.

Biologie / Befallsfördernde Faktoren

Die Getreideblattläuse durchlaufen bei uns in der Regel einen vollständigen Entwicklungszyklus (Holozyklus) mit Wechsel von ungeschlechtlicher (parthenogenetischer) und geschlechtlicher Vermehrung und Überwinterung in Eiform.

Wegen der raschen Larvenentwicklung bringen es die Getreideblattläuse auf bis zu 8 Generationen in einer Vegetationsperiode. Bei einer Lebensdauer von 30 Tagen (bei 22°C) und der hohen Reproduktionsrate kann sich z.B. eine S.avenae-Population in 3 Tagen verdoppeln und nach 50 Tagen auf das Fünfzigfache steigern. Nach dem Höhepunkt der Vermehrung im Milchreife-Stadium kommt es rasch zum Zusammenbruch der Population aufgrund von Übervölkerung, Nahrungsmangel und Vermehrung der Blattlausfeinde (Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Schlupfwespen, pilzlichen Parasiten). Bei hohen Temperaturen (ab 30°C) sterben die Blattlauslarven ab.

Voraussetzung für ein Blattlausmassenauftreten sind also anhaltende Trockenheit und mindestens durchschnittliche Temperaturen in der Zeit ab Ährenschieben des Weizens. Hohe Stickstoffdüngung begünstigt die Blattläuse entscheidend, da sie einen hohen Bedarf an löslichen Stickstoffverbindungen (Aminosäuren) haben.

Die überschüssigen Kohlenhydrate, die die Blattläuse beim Saugen aufnehmen, scheiden die Tiere im Kot als "Honigtau" wieder aus. Diese Ausscheidungen beeinträchtigen den Gasaustausch durch Spaltöffnungen der Kulturpflanze. Die sich darauf ansiedelnden Schwärzepilze verringern die Photosyntheseleistung der Pflanzen. Die Blattlausvermehrung wird auch durch den Anbau spät abreifender Getreidesorten, in gleicher Richtung wirkenden Getreidefungizide sowie durch den Einsatz von breitwirksamen Insektiziden gefördert; letztere töten vor allem die natürlichen Gegenspieler der Blattläuse ab.

Bekämpfung / Vorbeugende Maßnahmen

Da die wirtswechselnden Arten der Getreideblattläuse auf Rosen bzw. Traubenkirsche für ihre Entwicklung angewiesen sind, sollten diese Sträucher nicht in Feldgehölzen oder an Straßenböschungen angepflanzt werden. Bei Weizen und Hafer gibt es in der Sortenresistenz gegen Getreideblattläuse bisher nur geringe Unterschiede. Hohe ungeteilte Stickstoffgaben sind auf jedem Fall zu vermeiden. Alle Maßnahmen, die die Entwicklung der Blattlausfeinde fördern (herbizidfreie, ökologische Nischen, nur nützlingsschonende Insektizide), sind gleichzeitig ein Beitrag zur Blattlausbekämpfung. In Jahren mit starkem Blattlausauftreten können die natürlichen Gegenspieler diese Schädlinge aber nicht in Schach gehalten werden. Deshalb muss nach Befallskontrollen in der Zeit zwischen Beginn des Ährenschiebens und Ende der Blüte über eine eventuell erforderliche Bekämpfung entschieden werden.

Als Richtwerte für eine gezielte Bekämpfung gelten Ende der Blüte 3-5 Blattläuse/Ähre bzw. ein Anteil mit Aphiden besetzter Ähren von 60-80%. Bei normalen Witterungsverhältnissen, durchschnittlichen Parasitierungsraten (8%) und einem mittleren Räuber-Beute-Verhältnis (5 Marienkäfer oder 10 Marienkäfer-, Schwebfliegen- oder Florfliegenlarven je m²) lässt dieser Besatz eine maximale Besiedlungsdichte Ende der Milchreife von 15-20 Blattläuse/Ähre erwarten. Unter Berücksichtigung auch sehr günstiger bzw. ungünstiger Vermehrungsvoraussetzungen ist der Entscheidungsspielraum auf 1-10 Blattläuse/Ähre zu erweitern. Für nur an Blättern saugende Aphiden wurden folgende Bekämpfungswerte erarbeitet:
Winterweizen, Hafer: 25 Blattläuse/Halm zur Vollblüte
Sommergerste: 15 Blattläuse/Halm zur Vollblüte
Die genannten Bekämpfungsschwellenwerte gelten allein für die blattlausbedingten Saugschäden; gesicherte Schwellenwerte zur Abwehr der gefährlichen Gelbverzwergungsvirus - Herbstinfektionen gibt es hingegen bisher noch nicht.