Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Typhula-Fäule (Typhula incarnata)

Befallene Getreidearten: Gerste

 1. Schadbild/Verwechselungsmöglichkeiten

Die Typhula-Fäule ist besonders bei Wintergerste von Bedeutung. In erkrankten Wintergerstenbeständen erscheinen im Frühjahr einzeln, reihen- oder nesterweise, gelegentlich auch großflächig vergilbte Pflanzen. Ihre älteren Blätter sterben von der Spitze her ab und haften graugrün verfärbt, von einem weißen Myzel überzogen am Boden; die jüngeren, noch grünen Blätter sind schmal und starr aufgerichtet. Bei starkem Befall vergilbt auch das Herz und die ganze Pflanze stirbt ab. Abgestorbene bzw. stark befallene Pflanzen lassen sich leicht aus dem Boden ziehen, die Kronenwurzeln sind zerstört, der Wurzelhals wirkt faserig-morsch. Eindeutiges Kennzeichen der Typhula-Fäule sind die anfangs weißen, dann hell- bis rotbraunen 0,5-5 mm großen Dauerkörper (Sklerotien). Die Dauerkörper befinden sich sowohl auf als auch zwischen den Blattscheiden und im Inneren von vermorschtem Gewebe.

Die beim Auswintern von Wintergetreide auftretenden Vergilbungserscheinungen werden durch verschiedene Schadursachen hervorgerufen und sind nicht ohne weiteres zu diagnostizieren. Symptome der Typhula-Fäule sind mit denen des Schneeschimmels, Echten Mehltaus, der Brachfliege, mit Manganmangel, Frostschäden und Staunässe verwechselbar. Typisch für Typhula ist das Ausbleichen befallener Blätter, während bei Schneeschimmelbefallsstellen die braune Umrandung erhalten bleibt. Sicheres Zeichen für T. incarnata sind die relativ frühzeitig sichtbaren Dauerkörper.

Biologie und befallsfördernde Faktoren

T. incarnata überdauert den Sommer als Dauerkörper, die im Boden 4 Jahre, selten bis 8 Jahre überleben. Die nahe der Oberfläche liegenden Sklerotien beginnen ab Mitte Oktober bei hoher Luftfeuchtigkeit, in kühleren Lagen ab September- auch ohne Anwesenheit von Wirtspflanzen-Myzel zu bilden, welches geschwächte oder verletzte Pflanzenteile infiziert. Günstige Verhältnisse vorausgesetzt, können Infektionen vom Spätherbst bis zum Beginn des Frühjahrs stattfinden.

Alle Einflüsse, welche die Pflanzen im Herbst und Winter schwächen, fördern die Typhula-Fäule. Durch Echten Mehltau oder Staunässe geschädigte Blätter bilden ideale Eintrittspforten für den Erreger. In üppigen Beständen oder unter einer länger anhaltenden Schneedecke auf ungefrorenem Boden findet T.incarnata beste Entwicklungsbedingungen. Erhöhtes Befallsrisiko besteht bei hohem Wintergerstenanteil in der Fruchtfolge, nach Grünlandumbruch sowie bei Grubberbestellung nach vorausgehendem Wintergetreideanbau. Innerhalb des Wintergerstensortiments gibt es große Resistenzunterschiede; zweizeilige Sorten werden in der Regel stärker geschädigt als mehrzeilige.

Bekämpfung /Vorbeugende Maßnahmen

Auf Befallsstandorten sollte der Wintergerstenanteil in der Fruchtfolge begrenzt sowie weniger anfällige Sorten angebaut werden. Winterweizen- oder Wintergerstenstoppel ist vor Wintergerste tief umzupflügen und das Saatbett gut rückzuverfestigen. Durchwuchsgerste und Wildgräser in Raps sind ebenfalls rechtzeitig zu bekämpfen. Zudem sollte die Wintergerste nicht zu früh, zu dicht und zu tief gedrillt werden.