Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit (Rhynchosporium secalis )

Befallene Getreidearten: Gerste, Triticale

Schadbild/Verwechselungsmöglichkeiten

Von Rhynchosporium s. werden Gerste, Roggen und Triticale befallen. Am wirtschaftlich bedeutendsten ist die Krankheit bei Gerste. Erste Befallssymptome können bei Wintergerste schon 4-6 Tage nach Auflaufen der Saat sichtbar werden. An den Spitzen der Koleoptilen sind dann wässrige Flecke zu erkennen, stark befallene junge Blätter welken und sterben ab. Das charakteristische Schadbild wird aber erst im Frühjahr deutlich. Auf Blattspreiten, häufig auch in der Blattachsel entstehen 1-2 cm lange wässrig-blaugrüne Flecke, die von der Mitte her vertrocknen und dann grauweiß wirken. Die ovalen oder unregelmäßigen Flecke sind durch einen dunkelbraunen Rand scharf vom gesunden Gewebe abgegrenzt. Mehrere Flecke können miteinander verschmelzen. Schließlich vergilbt das gesamte Blatt und stirbt vorzeitig ab. Nach Blattachselinfektion knicken oft noch weitgehend grüne Blattspreiten ab. Die Symptomausbildung bei Triticale verläuft ähnlich, nur fehlt hier die dunkle Randzone. Die Befallssymptome treten vor allem an den unteren Blättern auf, doch können auch die höheren Blattetagen und die Ähre befallen sein. Auf den Spelzen finden sich dann 5 mm große helle Flecke, schwach rot bis dunkelbraun gesäumt. Befallene Grannen färben sich dunkel. Wegen der Schwierigkeiten beim Erregernachweis wird Saatgutverseuchung mit R. secalis selten erkannt.

Die unterschiedliche Sortenreaktion erschwert oft eine sichere Diagnose und kann zu Verwechslungen führen mit Ascochyta hordei bei den Blattflecken, mit Botrytis cinerea bei Ährenbefall oder mit Ätzschäden durch Herbizide.

Biologie, befallsfördernde Faktoren

Erstinfektionen gehen von befallenen Ernterückständen, Ausfallgerste oder seltener auch von Saatgut aus. Bei feuchtkühler Witterung (Temperaturen zwischen 2-7°C, hohe Luftfeuchte) erfolgt die Sporenproduktion. Die Sporen werden durch Regentropfen verbreitet. Bei günstigen Witterungsbedingungen (15-20°C, hohe Luftfeuchtigkeit) sind die ersten Symptome bereits nach einer Woche sichtbar und es kann zu einer epidemieartigen Befallsausbreitung kommen. Hierzu trägt auch die enorm hohe Sporenproduktion dieses Erregers bei.

Bekämpfung/Vorbeugende Maßnahmen

Deutlicher Blattfleckenbefall ist manchmal schon in der frühen Schossphase festzustellen. Ab EC 31 sollten die Bestände deshalb auf Rhynchosporiumbefall kontrolliert werden. Bei einer Befallshäufigkeit von 50% auf den Blattetagen F-3/F-4, bei gleichzeitig niederschlagsreicher, kühler Witterung sowie Anbau einer anfälligen Sorte kann eine Behandlung sinnvoll sein. Bei günstigen Wachstumsbedingungen wachsen die Bestände aber oft der Krankheit davon, so dass der Fungizideinsatz in die späte Schossphase geschoben werden kann.

Die Reduzierung des Gerstenanteils in der Fruchtfolge, tiefes Unterpflügen der Getreidestoppeln und Beseitigung von Ausfallgetreide und Schadgräsern sind ackerbauliche Maßnahmen, das Erregerpotenzial zu verringern. Eine termingerechte Saat und die Verwendung von Beizmitteln mit Rhynchosporiumwirkung sind Möglichkeiten, einer Infektion über das Saatgut vorzubeugen. Sorten mit guter bis mittlerer Resistenz sollten bevorzugt werden.