Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Netzflecken (Drechslera teres)

© Bayer
 

Befallene Getreidearten: Gerste

Schadbild/Verwechselungsmöglichkeiten

Es können eine Vielzahl von Symptomen ausgebildet werden. Man unterscheidet den sogenannten Netz-Typ und den Spot-Typ. Der Netz-Typ bildet unregelmäßige, braune Flecken mit einem netzartigen Muster, die von gelben Aufhellungen gesäumt sind. Im fortgeschrittenen Befallsverlauf verbinden sich die Befallsflächen und führen zum Absterben der infizierten Blätter. Bei anfälligen Sorten stirbt durch die von der Blattspitze zusätzlich einsetzende Vergilbung die gesamte obere Blattspreite ab.

Auf den oberen Blattetagen können bei ungünstigeren Witterungsbedingungen und auf teilresistenten Sorten auch atypische Blattflecken entstehen. Befall mit dem weniger verbreitet vorkommenden Spot-Typ des Erregers verursacht ebenfalls dunkelbraune elliptische Verbräunungen, umgeben von einem chlorotischen Hof. Eine sichere Diagnose ist nur dann möglich, wenn auf abgestorbenen Gewebeteilen die meist einzeln stehenden Konidienträger und die Konidien des Erregers gefunden werden (Lupe mit mindestens 30facher Vergrößerung!). Außer den Blattspreiten werden noch Blattscheiden, Spelzen und Grannen befallen. Fleckensymptome entstehen auch bei Mehltauabwehrreaktion einzelner Gerstensorten, bei Befall teilresistenter Sorten mit dem Rhynchosporium-Blattfleckenerreger oder dem Erreger der Braunfleckenkrankheit, bei Magnesium- oder Mangan-Mangel sowie nach anderen nichtparasitäten Belastungen der Gerstenpflanze.

Streifensymptome, die schließlich aufreißen, sind charakteristisch für die Streifenkrankheit der Gerste. Nach Befall mit Drechslera tuberosa entstehen runde bis längliche, z.T. unregelmäßig geformte Flecke mit einem grünlich-gelben Zentrum und einem dunkelbraunen Rand. Die Flecke sind von einer gelben Zone umgeben; es fehlen die für Netzflecken charakteristischen bräunlichen Längs- und Querstreifen. Ähnliche Befallsbilder kann auch der Blattfleckenerreger Rhynchosporium secalis hervorrufen.

Biologie, befallsfördernde Faktoren

Wichtige Quellen für die alljährlichen Netzflecken-Epidemien sind im Herbst und Frühjahr auf der Bodenoberfläche liegende Strohreste sowie Ausfallgerste, auf denen der Schadpilz unter feuchtwarmen Bedingungen (Optimum 20°C, 100 % Luftfeuchte) seine windverbreiteten Konidien bildet. Für die Verbreitung der Sporen ist trockene Witterung notwendig, für die Keimung der Sporen dann wieder Blattnässe. Mit einer schnellen Befallsausbreitung ist bei wechselnder Witterung zu rechnen - ein- bis mehrtägige Regenschauer wechseln sich mit einer mehrtägigen Schönwetterperiode mit hoher Sonneneinstrahlung und Wind ab. Die Latenzzeit beträgt bei günstigen Witterungsbedingungen nur 5 Tage. Die epidemische Ausbreitung erfolgt meist später als bei der Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit.

Der Erreger befällt häufig Sommergerste, ausgehend von benachbarten Wintergerstenbeständen. Ein Erstbefall kann auch von infiziertem Saatgut ausgehen. Durch Vorverlegung der Aussaatzeit von Wintergerste erhöht sich das Infektionsrisiko. Hohe N-Gaben und der Einsatz von Wachstumsregulatoren fördern die Befallsausbreitung.

Bekämpfung /Vorbeugende Maßnahmen

Zur Minderung des Infektionsdruckes werden folgende Maßnahmen insbesondere für Hauptbefallslagen empfohlen: Möglichst kein Anbau von Gerste nach Gerste, Auswahl widerstandsfähiger Sorten, Zukauf von gesundem, gebeiztem Saatgut, Verzicht auf Wintergerstenfrühsaaten, sorgfältige Stroheinarbeitung und Förderung der Strohrotte, rechtzeitige Beseitigung von Ausfallgerste auf Brachflächen und Gerstendurchwuchs in Rapsbeständen sowie kein Anbau von Sommergerste in unmittelbarer Nachbarschaft von Wintergerste.

Wurde in den Stadien Schossen bis Ährenschieben Anfangsbefall festgestellt, so sollten Präparate mit guter Wirkung gegen Netzflecken bis drei Tage nach Beginn eines Infektionsschubes eingesetzt werden. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 20 % befallenen Pflanzen. Ab EC 31 sollten die Bestände regelmäßig kontrolliert werden. Herbstbehandlungen versprechen nur bei außergewöhnlich hohem Infektionsdruck (10% Befallsstärke auf den unteren Blättern) Erfolg.