Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Gelbmosaik-Virus (barley yellow mosaic virus = BaYMV)

Befallene Getreidearten: Gerste

Schadbild/Verwechselungsmöglichkeiten

Im zeitigen Frühjahr - manchmal schon im Januar - zeigen sich auf Gerstenschlägen in Form kleiner Befallsherde Vergilbungen, die sich anfangs streifenartig in Richtung der Bodenbearbeitung ausdehnen, bis schließlich nach einigen Jahren das gesamte Feld verseucht ist. Befallene Pflanzen sind fahlgrün bis gelblich und weisen an den jüngsten Blättern strichelartige, gelbgrüne Aufhellungen auf. Während der Blattstreckung vergrößern sich die Befallsstellen und führen zu einem Vergilben der Blätter von der Spitze her; bei einigen Sorten treten zusätzlich braune Nekrosen auf. Schließlich sterben diese Blätter ab. Kranke Pflanzen sind weniger winterhart, schlechter als gesunde entwickelt, geringer bestockt, mit verkürzten Halmen und vermindertem Wurzelwerk; sie sterben zum Teil vorzeitig ab oder bilden kleine Ähren. Setzt warme, wüchsige Witterung ein, ist der Neuzuwachs wieder gesund. Nesterweises Auftreten von Vergilbungserscheinungen gibt es auch bei Bodenstrukturproblemen (Bodenverdichtung, Staunässe) sowie bei Befall mit Typhula-Fäule, Schneeschimmel oder dem Gelbverzwergungs -Virus; dieser Virusbefall ist meist einmalig; nicht stets am gleichen Ort wiederkehrend. Das Schadbild der Einzelpflanze ähnelt den Symptomen bei Magnesium-Mangel. Die Nekrosen durch Gelbmosaik -Viren werden im Frühjahr häufig mit Rhynchosporium-Befall verwechselt.

Biologie, befallsfördernde Faktoren

Die bodenbürtigen Viren werden durch den Pilz Polymyxa graminis Led. übertragen, der in fast allen Böden weit verbreitet ist. Von diesem Bodenpilz gibt es offensichtlich jeweils auf eine Getreideart spezialisierte Stämme. Bodenvernässung im Herbst und ausgehendem Winter/Frühjahr gekoppelt mit kühlen Temperaturen sowie auch frühzeitige Wechselfröste auf wassergesättigten Böden (durch Auffrieren des Bodens Verletzung des Wurzelsystems!) begünstigen den Befall mit P.graminis und die Virusinfektion. Der Schaden allein durch P.graminis ist unbedeutend. Erst nach einem winterlichen Kälteschock erfolgen dann Virusvermehrung und Symptomausprägung in der Wintergerste.

 

Das Ausmaß des Schadens hängt auch vom Standort ab. Schwerste Schäden sind auf ton- und schluffhaltigen Böden mit hoher Wasserkapazität zu beobachten, die sich im Frühjahr nur langsam erwärmen. Da die dickwandigen Dauersporen des Pilzes bis zu 20 Jahre im Boden lebensfähig bleiben, ist ein "Aushungern" des Pilzes durch Aussetzen des Wintergerstenanbaus nicht möglich. Frühe Aussaat der Wintergerste begünstigt die Vermehrung des Wurzelparasiten in der Pflanze (Dauer eines Vermehrungszyklus 8-10 Tage) und die Virusübertragung. Die Pilz- und damit Virus-Verbreitung erfolgt mit Erde an Bodenbearbeitungsgeräten und Ernteprodukten wie Kartoffeln oder Zuckerrüben sowie durch Wasser und Wind.

Bekämpfung /Vorbeugende Maßnahmen

Für Wintergerste sollte insbesondere auf schweren Böden ein Anteil von 25% in der Fruchtfolge nicht überschritten werden; ggf. ist auf Sommergerste auszuweichen. Man vermeide auf jedem Fall extrem frühe Saattermine. Sind die Viren erst einmal auf einer Fläche aufgetreten, gibt es keine Möglichkeit der Entseuchung durch ackerbauliche oder chemische Maßnahmen. Lediglich die Verbreitung durch Erdverschleppung an Ackergeräten und Pflanzgut lässt sich durch sorgfältige Reinigung eindämmen. Jegliche Maßnahmen, die Stress für die Pflanzen bedeuten, sind zu vermeiden. So sollten geschädigte Gerstenbestände nicht durch "harte" Herbizidmaßnahmen oder Krankheitsbefall weiter belastet werden. Die Saatbettbereitung sollte bei trockenen Bodenbedingungen erfolgen (Verdichtungen vermeiden). Um das Wachstum der Bestände anzuregen, wird eine frühzeitge N-Ausgleichsdüngung empfohlen. Die einzige voll wirksame Gegenmaßnahme ist der Anbau von virusresistenten Wintergerstensorten. Betriebe mit nachgewiesenem Befall sollten auf der gesamten Betriebsfläche auf resistente Sorte umstellen.

 

Vor einigen Jahren wurde ein neues Virus nachgewiesen - der sogenannte Typ 2, das sich inzwischen langsam weiter ausbreitet. Der BaYM-2 Virus befällt auch gegen den Typ 1 resistente Sorten, jedoch ist er weniger aggressiv und verursacht keine bedeutenden Ertragseinbußen. Gegen den Typ 2 gibt es bisher nur bei der zweizeiligen Wintergerste eine resistente Sorte.