Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Wachstumsreglereinsatz

Der Einsatz von Wachstumsreglern sollte sich in erster Linie an der Lageranfälligkeit der angebauten Sorte und den Bedingungen des Standortes orientieren. Auf guten Böden mit sicherer Wasserversorgung sind die Bestandesdichten und das Ertragspotenzial hoch und die Aufwandmengen der Wachstumsregulatoren dementsprechend höher anzusetzen. Vorsicht ist bei Trockenheit und Hitzephasen, insbesondere auf leichten Böden, geboten. Mit überzogenen Aufwandmengen kann hier sogar Ertrag weggespritzt werden.

In standfesten Weizensorten wie BOSS, AKTEUR, CHEVALIER, ETANA, PIONIER, POTENZIAL, PRIMUS, PRODUZENT oder XERXES reichen zum ersten Einsatztermin CCC-Mengen von 0,8-1,2 l/ha, oder bei Einfachbehandlung in EC 30-31 0,8-1,0 l CCC/ha + 0,15-0,2 l/ha Moddus/Calma aus. Im Normalfall wird dann in diesen Sorten auf Standorten mit ausreichender Wasserversorgung zum 2. Termin noch eine geringere CCC-Menge von 0,2-0,4 l/ha nachgelegt. Bei üppigen Beständen oder Standorten mit erfahrungsgemäß hohem Lagerdruck oder im Norden kann die CCC-Menge zum 1. Termin auf 1-1,4 l/ha CC erhöht werden und zusätzlich „0,1-0,15 l/ha Moddus/Calma“ zugemischt werden. Beim 2. Termin kann auch Medax Top + Turbo mit je 0,4 l/ha eingesetzt werden. Grundsätzlich sollten bei diesen Sorten die Aufwandmengen nicht überzogen werden.

ARKTIS, MATRIX und PATRAS haben eine mittlere Neigung zu Lager. Die Aufwandmengen können leicht erhöht zur ersten Gruppe zu zwei Terminen gefahren werden. Die Sorten reagieren tendenziell gut auf den Einsatz von Wachstumsreglern. Eine dritte Behandlung mit Camposan und/oder Moddus/Calma ist nur bei hohem Lagerrisiko notwendig. Im Norden sollten zum ersten und zweiten Termin Kombinationen von CCC und Moddus/Calma gefahren werden oder bei der zweiten Behandlung 0,5 l/ha Medax Top + 0,5 l/ha Turbo eingesetzt werden.
Bei PATRAS sollten auf ertragsstarken Standorten oder bei üppigen Beständen die Aufwandmenge nicht zu knapp bemessen werden, da hier die Bestände etwas mehr in die Höhe getrieben werden und PATRAS zusätzlich hohe Einzelährenerträge erzielt. 

Sorten mit geringerer Standfestigkeit (ab APS Lager 6) erhalten zum 1. Termin bis zu 1,5 l/ha CCC und in der Nachlage oder 0,4-0,6 l/ha CCC + 0,15-0,3 l/ha Moddus/Calma oder je 0,6-0,8 l/ha Medax Top + Turbo. Hier ist unter norddeutschen Klimabedingungen und üppigen Beständen ein dreimaliger Einsatz von Wachstumsreglern auf ertragsstärkeren Standorten angebracht. Dies meist mit Kombinationen CCC und Moddus/Calma sowie einer dritten Behandlung in EC 37-39 mit 0,2-0,5 l/ha Camposan, 0,5 l/ha Medax Top oder einer Kombination von Camposan und Moddus/Calma.

Für HIGHLIGHT zeigen mehrjährige Anbauversuche das eine Doppelbehandlungsvariante die sinnvollste und wirtschaftlich interessanteste Strategie ist. Die erste Behandlung sollte möglichst früh in EC 31 durchgeführt werden, um auch das 1. Internodium einzukürzen. Hier kann 0,4-0,5 l/ha Moddus/Calma oder 0,8-1,25 l/ha Medax Top + Turbo gespritzt werden. Im 2. Termin zu EC 37/39 wird dann 0,25-0,4 l/ha Camposan Extra nachgelegt. Die mehrzeilige Wintergerste TAMINA überzeugte in den drei Wertprüfungsjahren und in den darauffolgenden Anbaujahren mit einer guten Standfestigkeit und benötigt aus diesem Grund nur geringe bis mittlere Wachstumsreglermengen. Auf den meisten Standorten bietet sich bei TAMINA auch eine Einfachbehandlung mit 0,3-0,4 l/ha Moddus/Calma an. TAMINA eignet sich aufgrund ihrer guten Standfestigkeit auch für Lagerstandorte, wo die Standfestigkeit jedoch ausreichend unterstützt werden sollte.

Die neu zugelassene Wintergerstensorte HEDWIG zeigte im offiziellen Zulassungsverfahren eine gute Standfestigkeit. Vom Bundessortenamt ist HEDWIG, als eine längere Sorte, neben der Standfestigkeit auch gut im Halmknicken eingestuft worden (Note 4). Sie sollte aber ähnlich intensiv mit Wachstumsreglern geführt werden wie Lomerit. Dies bedeutet je nach Ertragspotenzial zwei bis drei Behandlungen. Wichtig ist, dass die erste Behandlung in der frühen Schossphase erfolgt, um die unteren Halminternodien zu verkürzen. Eine Behandlung in EC 39–51 gegen Ährenknicken ist ebenfalls eine wichtige Maßnahme.