Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Neuansaat

Natürlicherweise passen sich die Pflanzenbestände der Bewirtschaftung an und sind somit dessen Spiegelbild. Wenn eine Narbe stark entartet und verfilzt ist, ist eine Neuansaat aus wirtschaftlicher Sicht häufig die sinnvollste Methode der Grünlandverbesserung. Damit die Neuansaat gelingt und nicht zu häufig durchgeführt werden muss, ist es empfehlenswert, zunächst die Ursachen für die Entartung der Grasnarbe zu finden. Eine Grünlandneuansaat im Herbst hat den Vorteil, dass weniger Jahresertrag verloren geht, weil nur 1 bis 2 Schnitte ausfallen. Auch der Vernalisationsreiz für die mehrjährigen Gräserarten ist ein weiterer Vorteil, da die Gräser dann bereits im 1. Schnitt des Folgejahres ihre volle Ertragsleistung bringen können, da sie nicht nur Blattmasse, sondern auch Stängel bilden.

Häufig sind es Grundlagen, wie z.B. Tiefschnitt (<6 cm Stoppelhöhe), Bodenverdichtungen, schlechte oder unausgeglichene Nährstoffversorgung und zu niedrige pH-Werte, die dafür sorgen, dass die Grünlandnarbe entartet und Erträge und Qualitäten nicht mehr zufriedenstellend sind. Mit dem Abstellen der Ursachen lässt sich eine nachhaltige Verbesserung des Grünlandes erreichen und  die gute Grasnarbe kann über viele Jahre erhalten werden.

 

Grünlanderneuerung mit Bodenbearbeitung

Durch eine mechanische Bodenbearbeitung mit dem Pflug oder Grubber lassen sich die Altnarbe und ihre Konkurrenzkraft reduzieren. Wichtig ist dabei, dass die Geräte optimal eingestellt sind, damit der Pflug sauber oder der Grubber ganzflächig arbeitet. Die anschließende flache Ansaat (max. 1 cm Ablagetiefe) kann mit konventioneller Saattechnik aus dem Ackerbau erfolgen. Vorteil der Methode ist, dass die Flächen eingeebnet werden können und die Bekämpfung von Problemkräutern und –gräsern leichter erfolgen kann. Nachteil einer Neuansaat mit Bodenbearbeitung ist, dass dies i.d.R. genehmigungspflichtig ist und nicht jeder Standort so einen intensiven Eingriff zulässt, da sich Grünland häufig auf nicht ackerfähigen Standorten befindet (zu nass, trocken, steil, flachgründig, steinig etc. für Ackerbau). Auch sollte das Samenpotenzial von Unkräutern nicht unterschätzt werden, insbesondere von Lichtkeimern, wie z.B. Ampfer, die durch intensive Bodenbearbeitung an die Oberfläche geholt werden.

 

Grünlanderneuerung ohne Bodenbearbeitung

Gräser- und Kleearten sind Lichtkeimer, weshalb sie nicht zu tief gesät werden sollten, brauchen aber auch Lücken bzw. Platz in der Grasnarbe, um sich etablieren zu können. Diese notwendigen Lücken kann man sehr erfolgreich mit Grünlandstriegeln erzeugen, sollten keine vorhanden sein. Muss eine Fläche neu angesät werden, kann dies auch ohne Bodenbearbeitung, mit einem Striegel, erfolgen. Dazu bietet sich ein Zeitraum nach einer Trockenphase, z.B. Mitte bis Ende August, an. Der Striegel wird dazu so stramm wie möglich eingestellt und die Fläche mit mehreren Überfahrten bearbeitet. Wichtig ist dabei, dass die Fahrspuren versetzt sind, sodass abwechselnd gerade und leicht schräg bzw. diagonal gefahren wird. Wertvolle Gräser- und Kräuterarten sind so tief verwurzelt, dass diese vom Striegel nicht herausgearbeitet werden. Die Fahrgeschwindigkeit sollte so gewählt werden, dass der Striegel ordentliche Arbeit verrichten kann (>8-9 km/h). Die Überfahrten müssten für ein optimales Ergebnis so oft wiederholt werden, bis kein Pflanzenmaterial mehr ausgerissen wird (i.d.R. >3 Überfahrten). Anschließend muss die Fläche geräumt werden. Dazu wird mit Hilfe eines Schwaders der lockere Pflanzenaufwuchs zusammengelegt und beispielsweise mit einem Ladewagen abgefahren. Die Schwaderzinken dürfen bei dieser Arbeit ausnahmsweise leichten Bodenkontakt haben, um möglichst viel Material zu erfassen. Das abgesammelte Pflanzenmaterial sollte am besten ordentlich kompostiert werden. Anschließend kann es großflächig auf dem Acker verteilt werden. Die Ansaat auf dem Grünland kann nun mit dem Striegel oder einer Drillmaschine mit Rollscharen erfolgen. Anschließend sollte das Saatgut in jedem Fall mit einer flexiblen Walze (z.B. Cambridge) leicht angedrückt werden. Insbesondere auf trockeneren Standorten (<600 mm/Jahr) empfiehlt es sich, das Saatgut mit einem Durchsägerät oder einer Sämaschine mit Rollscharen, möglichst flach zu säen, um den Bodenschluss sicherzustellen und Verluste durch Vertrocknen zu minimieren.

Beim flächigen Ansäen von Grünland mit Ackerdrillen, ist es empfehlenswert, die Saatstärke zu halbieren und mit 2 Überfahrten (1. Überfahrt gerade, 2. Überfahrt schräg/diagnoal zur 1.Überfahrt) das Saatgut pro Quadratmeter gleichmäßiger zu verteilen und so einen schnelleren Narbenschluss zu erreichen.

Deckfrüchte: Einjähriges Weidelgras als Ammengras, Saathafer oder Hafergemenge

Unabhängig vom Ansaatverfahren bieten Deckfrüchte einen bei der Etablierung von Dauergrünlandnarben. Durch die Beschattung und die geringere Evaporation kann sich die Grünlandansaat gut und zügig entwickeln. Deckfrüchte sollten aber nur bei Ansaaten im Frühjahr in Betracht gezogen werden. Als Deckfrucht bietet sich zum Beispiel Einjähriges Weidelgras (COUNTRY Feldgras 2049), Saathafer bzw. Hafergemenge (Legu-Hafer-GPS) an.

Beim Einsatz von Einjährigem Weidelgras als Ammengras sind Sorten, die als Zwischenfruchttypen beschrieben werden, zu bevorzugen, da diese eine geringere Ausdauer haben als Hauptfruchttypen. Ausgesät werden dann z.B. 8 bis 10 kg/ha COUNTRY Feldgras 2049 zusammen mit 25 kg/ha COUNTRY Energy 2024. Die exakte Zusammensetzung und Mischungsauswahl muss für jeden Standort und Betrieb individuell getroffen werden. Extrem wichtig ist beim Einsatz von Einjährigem Weidelgras, dass es unter keinen Umständen zum Ährenschieben oder gar zum Aussamen kommen darf. Einjähriges Weidelgras schiebt insbesondere bei Trockenstress sehr schnell die Ähre und geht in die Notreife über. Wenn diese Art aussamt, etabliert sie sich für viele Jahre in der Grasnarbe. Des Weiteren ist Einjähriges Weidelgras, wie alle Ackerfutterarten, recht unelastisch bzgl. des Nutzungszeitpunktes, was mit dem optimalen Schnittzeitpunkt der Dauergrünlandarten nur selten zusammenpasst. Darüber hinaus kann das Einjährige Weidelgras bei sehr hohen Anteilen in der Mischung/Grasnarbe auch entsprechend große Lücken hinterlassen, die einen entsprechenden Nachsaatbedarf verursachen.

Hafergemenge, wie z.B. Legu-Hafer-GPS, sind eine gute Deckfrucht, die schnell Futter (auch in Milchviehqualität) produzieren können. Legu-Hafer-GPS ist durch den hohen Gehalt an Zucker gut zu silieren und liefert mit 5,5 bis 6,5 MJ NEL/kg TS zwischen 10 und 20 % Rohprotein ein gut verwertbares und schmackhaftes Futter. Des Weiteren wirken neben der guten Beschattung auch die Wurzelausscheidungen von Hafer unkrautunterdrückend. Ein weiterer Vorteil bei der Ansaat mit einer Hafer-Deckfrucht ist, dass diese sicher nach dem 1. Schnitt von der Fläche verschwindet. Selbst wenn die Mischung aussamen sollte (Standzeit >14 Wochen), entstehen keine dauerhaften Nachteile, da die enthaltenen Arten die regelmäßige Schnittnutzung im Dauergrünland nicht vertragen. Ausgesät werden kann die Legu-Hafer-GPS auch zusammen mit einer Gräsermischung. Eine bewährte Kombination ist z.B. 40 kg/ha Legu-Hafer-GPS zusammen mit 35 kg/ha COUNTRY Energy 2024. Aber auch hier gilt: die exakten Zusammensetzungen und die Mischungsauswahl muss für jeden Standort und Betrieb individuell getroffen werden.

Fragen Sie dazu am besten Ihren regionalen Pflanzenbauberater der DSV.


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