Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Neuansaat

Wenn eine Narbe stark entartet und verfilzt ist, ist eine Neuansaat die sinnvollste Methode der Grünlanderneuerung. Bei der Neuansaat von Dauergrünland wird im Gegensatz zur Nachsaat die noch vorhandene Narbe mechanisch oder chemisch vernichtet. Vor der Durchführung einer solchen Maßnahme müssen die Fehler, die zur Narbenverschlechterung geführt haben erkannt werden, damit sie nach der Neuansaat soweit wie möglich vermieden werden. Nur so lässt sich nachhaltig eine Verbesserung des Grünlandes erreichen.

Der Erfolg einer Grünlandneuansaat hängt weitgehend von der Wahl des richtigen Verfahrens ab. Dieses richtet sich unter anderem nach dem Standort und dem Vorkommen von hartnäckigen Unkräutern (Ampfer, Bärenklau, Wiesenkerbel) und Ungräsern (Rasenschmiele, Quecke).

Hier bieten sich drei Lösungen an:

Mechanische Erneuerung
Totalherbizid und mechanischer Umbruch (Pflug)
Totalherbizid und Direktsaat
 

 
Mechanische Erneuerung

Auf pflugfähigen Standorten mit guter Bonität kann die vorhandene Narbe mechanisch zerstört (Fräse, Scheibenegge) und anschließend eingepflügt werden. Nach der Pflugarbeit sollte eine gute Rückverfestigung des Saatbettes und eine flache Einsaat erfolgen. Ein schnellerer Narbenschluss der Drillsaat wird erreicht, wenn in zwei Arbeitsgängen überkreuz jeweils die Hälfte der Saatmenge ausgebracht wird.

Bei einem mechanischen Umbruch sind immer die Vorteile den Nachteilen gegenüberzustellen. Folgende Nachteile sollten daher beachtet werden:

  • humose Oberschicht wird in tiefere Schichten vergraben, gleichzeitig wird weniger wertvoller Boden an die Oberfläche geholt.
  • Böden mit Steinen sind generell schwer umzubrechen
  • schlechte Rückverfestigung durch hohe organische Masse im Boden, Steine sowie schwere Textur des Bodens
  • Schwierigkeiten bei genauer Saatgutablage (mulliger Boden, Saat erfolgt oftmals zu tief)
  • schwierige Keimbedingungen mit Gefahr eines ungleichmäßigen Aufgangs durch Wassermangel (fehlende Kapillarität)
  • hoher Auflauf an Unkräutern und Ungräsern (z.B. Vogelmiere, Taubnessel), daher ist i.d.R. ein Schröpfschnitt oder ein Pflanzenschutzeinsatz notwendig
  • Probleme mit der Befahrbarkeit, Fahrschäden führen insbesondere bei hohem Wassergehalt zu Bodenschäden
  • Futterausfall für längeren Zeitraum
  • hoher Kraftstoffverbrauch
 

Totalherbizid und mechanischer Umbruch Ist die Altnarbe stark verunkrautet und verungrast, empfiehlt sich der Einsatz eines Glyphosats vor dem mechanischen Umbruch. Bei einer Wuchshöhe von ca. 10-15 cm wird der Wirkstoff zur Abtötung der Narbe gespritzt. Hierbei ist auf eine ausreichend grüne Blattmasse und trockene Witterung bei der Ausbringung zu achten. Nach ca. 10-14 Tagen kann die Fläche dann umgebrochen werden.

 

Totalherbizid und Direktsaat

Das Verfahren Totalherbizid und Direktsaat bietet sich vor allem auf Standorten an, die nicht oder nur schwer umgebrochen werden können. Hierzu zählen flachgründige, steinige Standorte, schwere tonige Niederungsböden, Moor- und Anmoorböden sowie Hanglagen. Bei diesem Verfahren wird die Narbe vollständig abgetötet. Als ein günstiger Termin hat sich eine Aufwuchshöhe von 15-20 cm nach dem zweiten oder dritten Schnitt erwiesen. Nach einer Wartezeit von mindestens 14 Tagen kann die Aussaat mit einer Spezialmaschine ohne Umbruch erfolgen. Allerdings sollte der abgestorbene Bestand gemäht und abgeräumt werden, denn nur auf sauber abgeräumten Flächen ist eine gute Arbeit der Spezialmaschine gewährleistet und können die Keimlinge auflaufen.

 

Eine bessere Wirkung des Herbizides wird erreicht, wenn auf dem abzutötenden Aufwuchs eine leichte N-Düngung (30-40 kg/ha) durchgeführt wird. Die Bestände werden schneller saftig grün, so dass mehr oberirdischer Aufwuchs produziert wird und sich der Wirkstoff besser in der Pflanze verteilt.

Die Vorteile eines pfluglosen Umbruchs sind: 
 

  • eine flache und gleichmäßige Aussaat in ein festes Saatbett ist möglich; dadurch wird ein gleichmäßiger Auflauf erreicht
  • gleichmäßige Pflanzenentwicklung im Bestand, gleichzeitig laufen weniger Unkräuter und Ungräser auf, in der Regel ist kein Pflanzenschutzeinsatz notwendig
  • keine Probleme mit der Befahrbarkeit
  • geringerer Futterausfall als bei einer mechanischen Erneuerung
  • geringerer Aufwand und Kraftstoffverbrauch

 
Ammengras

Für die Anlage von Neuansaaten empfehlen wir je nach Standort und Nutzung die spezifischen COUNTRY Grünland-Mischungen. Für eine Aussaat im Frühjahr kommt die Anlage unter einer Deckfrucht (Ammengras) in Betracht. Hier bieten sich die einschnittigen Einjährigen Weidelgräser LIRASAND und LIFLORIA an. Sie bieten einen frühen Schutz für die langsam wachsenden Dauergräser sowie einen frühen ersten Nutzungstermin. LIRASAND und LIFLORIA sind kurzlebig, deshalb verschwinden sie schnell nach dem ersten Schnitt. Die Saatstärke beträgt 12 kg/ha zusätzlich zur Standardmischung von 40 kg/ha. LIRASAND und LIFLORIA haben eine besonders gute Siliereignung mit erstklassigen Futterwerten. Es ist darauf zu achten, dass das Ammengras früh genug, unbedingt vor dem Ährenschieben, geschnitten wird.

Aussaattermin und Aussaatstärke
 

  • zeitiges Frühjahr (+ Ammengras)
  • Spätsommer bis Ende August (ohne Ammengras)
  • Aussaatstärke der Grünland-Mischung: 40 kg/ha