Deutsche Saatveredelung AG (DSV)

Ernte gut, alles gut – mit Optimierung von Ernte und Pflanzenbeständen Silagequalität verbessern

Ernte gut, alles gut – mit Optimierung von Ernte und Pflanzenbeständen Silagequalität verbessern

Hohe Grundfutterleistungen aus dem Grünland kommen nicht von ungefähr. Aus schlechten Pflanzenbeständen mit hohen Ungras- und Unkrautanteilen lässt sich allerdings keine Top-Silage erzeugen. Aber auch bei guten Beständen müssen zur Erreichung optimaler Silagequalitäten viele weitere Faktoren, wie z.B. Schnittzeitpunkt, -höhe und Wetter, berücksichtigt werden.

 Es wiederholt sich fast jedes Jahr aufs Neue: Wer die Auswertungen der Silagequalitäten in den landwirtschaftlichen Wochenblättern unter die Lupe nimmt, dem fällt auf, dass diese im Durchschnitt meist nicht befriedigen und deutlich unter den Zielwerten für Hochleistungsansprüche liegen. Insgesamt zeigen sich auch enorme Qualitätsunterschiede zwischen den besseren und den schlechteren Silagen. So liegen die Energiegehalte zwischen 5,3 und 6,5 MJ NEL. Das sind Welten und entscheidend dafür, ob die Milchproduktion auf Dauer wirtschaftlich ist oder nicht. Es gilt daher, an vielen kleinen und großen Stellschrauben zu drehen, um sukzessive gute Voraussetzungen für hohe Silagequalitäten zu schaffen.

   

Voraussetzungen für gutes Grünland oft schwierig

Die Grünlandbewirtschaftung findet meist auf den schwierigen, nicht ackerfähigen Standorten statt. Die Standortverhältnisse reichen von steilen Hanglagen, flachgründigen, steinreichen Böden, wechselnden Boden- und Feuchtigkeitsverhältnissen innerhalb eines Schlages bis hin zu nassen Talwiesen bzw. Flächen mit hohem Grundwasserstand. In Niedersachsen und einigen ostdeutschen Bundesländern befindet sich ein Großteil des Grünlandes auf Moorstandorten. Auf der anderen Seite gibt es die typischen Trockengebiete in verschiedenen Regionen Deutschlands. Ebenso sind in den letzten Jahren vermehrt Vorsommer- und Sommertrockenperioden aufgetreten.

Mit diesen schwierigen Standort- und Klimaverhältnissen sind Betriebe konfrontiert und dennoch darauf angewiesen, Grünlandaufwüchse mit hohen Erträgen und Qualitäten zu realisieren. Dass dieses Ziel nicht auf grundsätzlich allen Grünlandstandorten und -lagen möglich ist, ist klar.

Aufgrund der oftmals großen Standortheterogenität, die insbesondere in Mittelgebirgsregionen stark ausgeprägt sein kann, können sowohl die Pflanzenbestandszusammensetzung als auch die optimale Schnittreife von Grünlandbeständen innerhalb eines Betriebes mehr oder weniger stark variieren. Optimale Schnitttermine unter solchen Voraussetzungen sind daher immer ein Kompromiss und werden in erster Linie auch von der Witterung zum Erntetermin bestimmt.

   

Reifeunterschiede bei Arten und Sorten beachten  

Zwischen den ansaatwürdigen Gräsern im Grünland gibt es mehr oder weniger große Unterschiede hinsichtlich ihrer physiologischen Reife (Abb.1 - Zeitpunkt und Zeitspanne des Ähren- bzw. Rispenschiebens). Grünlandflächen auf feuchten oder moorigen Standorten, die z.B. vom Wiesenfuchsschwanz dominiert werden, sind 3-4 Wochen früher schnittreif als Grünland mit hohen Anteilen von Deutschem Weidelgras. Auch zwischen den Sorten einer Grasart gibt es zum Teil extreme Reifeunterschiede. So liegen beim Deutschen Weidelgras zwischen der frühesten frühen und der spätesten späten Sorte über 40 Tage. Diese Reife bezogenen Arten- und Sortenunterschiede werden bei der Zusammenstellung von Grünlandmischungen entsprechend des Standortes und der Nutzungsrichtung gezielt berücksichtigt.

 

Abb.1 - Zeitpunkt und Zeitspanne des Ährens- bzw. Rispenschiebens der Futtergräserarten

Quelle: Nach Beschreibender Sortenliste 2013

 

So eignen sich beispielsweise frühe Sorten des Deutschen Weidelgrases, dem futterbaulich wertvollsten und wichtigsten Grünlandgras, besser für Standorte, die zu Frühjahrs- und/oder Frühsommertrockenheit neigen. Durch ihren frühen Vegetationsbeginn können die frühen Sorten besser die Winterfeuchtigkeit nutzen und in Ertrag umsetzen. In Jahren mit guter Wasserversorgung lassen die frühen Sorten ggf. auch einen Schnitt mehr zu als die späten. Vorteile können die frühen Deutschen Weidelgrassorten auch im Ökolandbau haben, wo die Stickstoffversorgung des Grünlandes u.a. über Weißklee erfolgt. Der Weißklee hat sein Entwicklungsoptimum etwa Mitte Juni. Die Konkurrenzkraft der frühen Deutschen Weidelgrassorten tritt in dieser Phase zurück, so dass sich der Weißklee besser entwickeln kann.

Für die Nutzung von sehr intensiv genutztem Wechselgrünland auf den Gunststandorten der Tiefebenen eignen sich Mischungen aus mittleren und späten Sorten oder ausschließlich späte Sorten des Deutschen Weidelgrases. Dadurch wird ein relativ homogener Grünlandbestand mit homogener Reifephase angestrebt. Über die Eingrenzung des Reifespektrums der Sorten ist es daher möglich, höhere Energiedichten bei optimalem Schnittzeitpunkt zu realisieren, da alle eingemischten Sorten ihr Energiemaximum zum gleichen Zeitpunkt erreichen. Unter dieser Prämisse haben Sorten Vorrang, die über hohe Ertragsleitung, hohe Nährstoffgehalte und gleichzeitig beste Verdaulichkeit verfügen.

   

Homogene Bestände anstreben

Auch wenn das Dauergrünland immer eine nutzungs- und standortangepasste Gesellschaft aus verschiedenen Arten ist, werden bei einer leistungs- und qualitätsorientierten Grünlandwirtschaft homogene, und damit relativ artenarme Pflanzenbestände angestrebt. Wer seine Grünlandflächen regelmäßig mit konkurrenzstarken und angepassten Deutschen Weidelgrassorten nachsät, wird auf den meisten Standorten homogene und nutzungselastische Bestände mit hohen Anteilen dieses wertvollen Futtergrases entwickeln und halten können.

Eine jährlich wiederkehrende Nachsaat mit Deutschem Weidelgras ist insbesondere auf reinen Schnittgrünlandflächen erforderlich, denn die Ausdauer sowie das Bestockungs- und Regenerationsvermögen dieser Grasart sind bei dieser Nutzungsform begrenzt. Als horstbildendes Untergras mit starkem Bestockungsvermögen ist das Deutsche Weidelgras ein hervorragendes Gras für die Weidenutzung. Ein Wechsel von Weide- und Schnittnutzung kommt der Entwicklung und damit der Dominanz des Deutschen Weidelgrases sehr entgegen. Ein wichtiger Punkt bei der Nachsaat ist auch, dass seitens des Landwirtes aktiv Zuchtfortschritt hinsichtlich Krankheitsresistenz und Futterqualität wie höhere Verdaulichkeit durch die Nutzung moderner Gräsersorten in die Narbe eingebracht werden kann.

   

Hohe Nutzungselastizitäten realisieren

Die ungünstige Pflanzenbestandszusammensetzung vieler Grünlandflächen führt in der Praxis häufig dazu, dass die sogenannte Nutzungselastizität relativ gering ist. Das heißt, dass die Aufwüchse physiologisch relativ schnell altern und damit der Rohfasergehalt innerhalb weniger Tage schnell steigt, während wichtige Qualitätsparameter wie Energiegehalt, Eiweiß- und Zuckerkonzentrationen sowie Verdaulichkeit stark abfallen (Abb. 2 - Ertrag, Rohfaser- und Rohproteingehalt in Abhängigkeit vom Schnittzeitpunkt im Frühjahr (am Niederrhein) ). Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Grünland z.B. hohe Anteile Wiesenfuchsschwanz, Rohrschwingel oder Wolliges Honiggras auf feuchten oder eine Knaulgras-Dominanz auf eher trockenen Standorten aufweist. Das im Verhältnis dazu ausgesprochen blattreiche Deutsche Weidelgras oder die Wiesenrispe haben dagegen eine wesentlich größere Nutzungselastizität. Das heißt, dass sich der Qualitätsabfall nach dem optimalen Nutzungstermin wesentlich langsamer vollzieht als bei den stark halmbildenden Obergräsern (siehe Abb. 3 - Futterwert und Narbenzusammensetzung). Auch moderate Anteile Weißklee von 10-30 Prozent in der Grasnarbe erhöhen die Nutzungselastizität der Aufwüchse. Das heißt, dass das Zeitfenster für einen optimalen Schnitttermin bei obergras- bzw. ungrasreichen Grünlandbeständen wesentlich kleiner und deutlich früher ist, als bei Beständen mit hohen Anteilen Deutsch Weidelgras und Weißklee.

Abb. 2 - Ertrag, Rohfaser- und Rohproteingehalt in Abhängigkeit vom Schnittzeitpunkt im Frühjahr (am Niederrhein)

Quelle: nach Berendonk 2011, verändert

Abb. 3 - Futterwert und Narbenzusammensetzung


Quelle: nach Neff, 2015, verändert

  

   

Die alte Frage: wann schneiden?

Die Tatsache, dass ein Großteil der Grassilagen in Milchviehbetrieben qualitativ nicht befriedigen, hat seine Ursachen entweder in ungünstigen Pflanzenbeständen, einem suboptimalen Silageverfahren oder in einem zu späten Schnitttermin. Es kann aber auch eine Mischung aus allen Faktoren sein, meistens bedingt auch das eine das andere. Aus futterbaulicher Sicht orientiert sich der vermeintlich optimale Schnitttermin an der physiologischen Reife der hauptbestandsbildenden Gräser. Auf die Bedeutung eines möglichst homogenen Grünlandbestandes wurde in diesem Zusammenhang bereits hingewiesen. Entsprechend der allgemein gültigen Empfehlungen sollen die Rohfasergehalte bei 23-25 Prozent liegen. Damit stark korreliert sind die Rohprotein- und Energiekonzentrationen (siehe Abb. 2 - Ertrag, Rohfaser- und Rohproteingehalt in Abhängigkeit vom Schnittzeitpunkt im Frühjahr (am Niederrhein) ). Zwar ist das Ertragsmaximum bei weitem noch nicht erreicht, aber letztlich ist der „optimale“ Schnittzeitpunkt für Grünland immer ein Kompromiss zwischen hohen Erträgen und Qualitäten. Die Meinung vieler Grünlandpraktiker, sich stärker am Ertrag zu orientieren und noch das „gewisse Etwas“ zu realisieren, ist meist nicht zielführend. Hier gilt die Devise: Gutes Grundfutter ist teuer, schlechtes noch viel teurer. Die Auswirkungen eines nicht optimalen Schnitttermins für die Silierung werden in der folgenden Tabelle deutlich. In Abhängigkeit von dem Pflanzenbestand können die dargestellten Kennziffern mehr oder weniger ausgeprägt sein.

Einfluss des Schittzeitpunktes

Mit jedem Tag, an dem der optimale Schnittzeitpunkt des Grünlandes überschritten wird, nimmt der Ertrag zwar zu, aber die Futterqualitäten und damit die Leistung der Kuh aus diesem Grundfutter ab. Die Futterkosten pro Kg Milch steigen.

 
Ein Tag verspäteter Schnitttermin bedeuten:
Ertrag je ha Futterwert je kg TM Leistung je Kuh

+ 3 cm Wuchshöhe

+ 300 g org. Masse/m²

+ 15 dt Frischmasse

+ 3-5 dt Trockenmasse

+ 2-3 GJ NEL

+ 4,5 g Rohfaser

+ 3,5 g Zellulose

+ 0,9 g Lignin

- 0,1 MJ NEL

- 6 g Rohprotein

- 3 g Rohasche

- 300 g TM-Aufnahme

- 2 MJ NEL-Aufnahme

- 0,6 Milch / Tag

- 180 kg Milch / Jahr

+ 0,5 Cent Futterkosten / kg Milch

Quelle: nach Steinhöfel 2010, verändert

   

Reifeprüfung als Orientierung

Eine gute Orientierung, wie sich Ertrag und Inhaltsstoffe des Grünlandes in Abhängigkeit von Region, Höhenlage und Pflanzenbestand entwickeln, können für den Praktiker die Reifeprüfungen sein, die in den meisten Bundesländern von den Landwirtschaftskammern und Landesämtern durchgeführt werden. Dies ersetzt jedoch nicht die Verantwortung, die Entwicklung der eigenen Grünlandbestände zu beobachten und einschätzen zu können. Letztlich sind alle guten Hinweise Schall und Rauch, wenn zur optimalen Siloreife das Wetter nicht mitspielt.

   

Hohe Schlagkraft hat auch Schattenseiten

Das Zeitfenster insbesondere für den passenden ersten Schnitttermin ist in wenigstens einem von drei Jahren extrem klein. Dies erhöht den Druck, insbesondere den ersten Siloschnitt just in time und am liebsten eine „24-Stunden-Silage“ zu realisieren. Die Schlagkraft, die inzwischen in vielen Betrieben vorherrscht oder durch Lohnunternehmen eingebracht wird, ist enorm. Das kann in der Praxis aber oftmals zwei Probleme mit sich bringen: Zum einen setzten hohe Radlasten insbesondere bei noch zu feuchten Bodenverhältnissen der Grasnarbe extrem zu, mit der Folge, dass Bodenverdichtungen und Narbenschäden zu unerwünschten Pflanzenentwicklungen führen. Große Reifenbreiten oder niedriger Reifendruck bei den Erntemaschinen können das Problem zumindest abmildern.

Zum anderen kann die hohe Schlagkraft der Erntetechnik zu Engpässen beim Verdichten der Silagen führen. Die Transportgeschwindigkeit der Ladewagen und das Verdichten des Siliergutes müssen aufeinander abgestimmt sein. Das sogfältige Verdichten hat oberste Priorität und bestimmt die Geschwindigkeit der Verfahrenskette maßgeblich.

   

Die optimale Schnittstelle - nicht zu hoch und nicht zu tief

Das ausschließlich für Futterkonserven genutzte Schnittgrünland bildet keine dichte Narbe wie bei intensiv genutzten Weideflächen oder Spielrasen im Garten. Es verträgt geringe Schnitthöhen nicht, da aufgrund der vergleichsweise geringen Nutzungshäufigkeit die Bestockungsneigung der Gräser begrenzt ist. Da Gräser zur schnellen Regeneration und zum Wiederergrünen nach dem Schnitt eine gewisse Restassimilationsfläche benötigen, sollte eine Mindestschnitthöhe von 6-8 cm nicht unterschritten werden. Bei dieser Schnitthöhe werden auch die gespeicherten Reservestoffe in den unteren Blatteilen, die die Grundlage für die Regeneration nach dem Schnitt darstellen, geschont. Nachgewiesener Maßen hat ein Tiefschnitt (< 5 cm) vor allem bei hohem Düngungsniveau ungünstige Auswirkungen auf Reservestoffspeicherung und Durchwurzelungstiefe. Ebenso werden beim Tiefschnitt vor allem die Arten gefördert, die hier viel besser angepasst sind als erwünschte Kulturgräser. Dies sind z.B. Rosetten bildende oder flach wachsende, meist Ausläufer treibende Kräuter wie Löwenzahn, Vogelmiere, Ehrenpreis, Gundelrebe, oder Kriechender Hahnenfuß. Auch Ungräser wie Gemeine- und Jährige Rispe, Quecke oder Flechtstraußgras können sich durch Tiefschnitte zur ernsthaften Konkurrenz entwickeln, da sie schneller wieder austreiben und/oder über Rhizome und Ausläufer im Wachstum stockendes Grünland rasch erobern. Nicht zuletzt werden bei zu tiefen Schnitten die Futterqualitäten herabgesetzt und die Aschegehalte erhöht. Allerdings können gezielte Tiefschnitte auch zur Förderung des Ausläufer treibenden Weißklees beitragen.

Hochschnitte (> 10 cm) tragen dagegen auch nicht zur Produktivitätsverbesserung auf dem Grünland bei und bedeuten immer auch den Verzicht auf einen Teil des Ertrages.

Insgesamt haben Schnitttermin-, -höhe und -frequenz ganz unmittelbar spezifische Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Grünlandbestände.

   

Fazit

Dass die Silagequalitäten oftmals nicht den Qualitätsanforderungen für hohe Grundfutterleistungen genügen hat seine Ursache u.a. in ungünstigen Pflanzenbeständen. Heterogene und schwierige Standortverhältnisse führen bei unzureichendem Grünlandmanagement auch zu heterogenem Grünland. Hier gilt es immer wieder gezielt nachzuhelfen und zu steuen, damit sich möglichst homogene und nutzungselastische Pflanzenbestände entwickeln können. Das Verständnis über die arten- und sortenspezifischen Reifeunterschiede bei Gräsern sollte gezielt bei der optimierten Grünlandwirtschaft genutzt werden. Letztlich müssen alle Rädchen der Grünlandwirtschaft und Futterkonservierung ineinandergreifen: Bestandesentwicklung, Schnitttermin, Schnitthöhe, abgestimmte Häckselkette und vieles mehr – sehr anspruchsvoll aber auch sehr wirksam.