
Am Beginn der Sortenentwicklung steht die gezielte Kreuzung zweier Elternpflanzen, die sich in ihren Eigenschaften ergänzen.
Beispiel:
| Mutterpflanze | Vaterpflanze | |
| hochertragreiche, aber gegen Wurzelhals- und Stängelfäule anfällige Pflanze | x | krankheitsresistente Pflanze mit unbefriedigender Ertragsleistung. |
Als Ausgangsmaterial und Elternpflanzen dienen insbesondere Ökotypen (züchterisch bisher nicht
bearbeitete Wildpflanzen, z.B. bei Resistenzeinkreuzungen), Sorten und Zuchtmaterial des
züchtereigenen Genpools, experimentelles Projektmaterial sowie Sorten anderer Züchter.
Die Kreuzungen zwischen den ausgewählten Einzelpflanzen werden z.B. bei Raps normalerweise im
Winter durchgeführt. Dafür werden beide Kreuzungspartner im Gewächshaus angezogen. Die
Mutterpflanze wird zum Zeitpunkt der Knospenbildung kastriert, d.h. die noch geschlossenen Blüten
werden vorsichtig mit einer Pinzette geöffnet und die vier Staubbeutel entfernt. Übrig bleibt nur
noch die Narbe. Von der blühenden Vaterpflanze wird eine Blüte entfernt, um damit die Mutterpflanze
zu bestäuben. Dafür wird der Pollen vorsichtig auf die Narbe der Mutterpflanze gestrichen.
Anschließend wird eine Isolationstüte über die bestäubte Blüte gezogen, damit kein Fremdpollen von
außen an die Mutterpflanze gelangen kann. Damit die Kreuzung auf jeden Fall gelingt, werden mehrere
Blüten der Mutterpflanze bestäubt.