Bestandesaufbau mit N-Düngung steuern

Maßgeblich beeinflusst werden der Aufbau und die Entwicklung der Weizenbestände durch die spezifische Jahreswitterung. Produktionstechnische Maßnahmen werden oft durch extreme Witterungseffekte überlagert. Trotzdem ist die Düngung, insbesondere die gezielte Stickstoffdüngung, das wirksamste Instrument, das dem Landwirt zur Steuerung des Bestandesaufbaus zur Verfügung steht. Die insgesamt zu düngende N-Menge ist abhängig vom Ertrag und dem angestrebten Proteingehalt abzüglich der Stickstoffnachlieferung des Standorts (Bodenvorrat, Vorfrucht)(Tab.1).

Anbaueignung Weizensorten 2011  

Erste N-Gabe

In der Bestockungsphase bildet die Weizenpflanze Triebe und schon ab Mitte der Bestockung beginnt sie mit der Ährchenanlage (Doppelringstadium). Mit der N-Düngung muss in dieser Phase eine sorten- und standortspezifisch optimale Triebdichte erstellt werden. PRIMUS, HATTRICK und PAROLI beginnen bis zu zwei Wochen früher als späte Sorten mit der Ährenanlage und müssen früh angedüngt werden. Das Ziel ist, zu Schossbeginn (BBCH 30) einen Bestand mit einer Anzahl von kräftigen Trieben zu realisieren, die der zweifachen bis zweieinhalbfachen Zielährenzahl entspricht. Insgesamt muss ein Weizenbestand bis zum Schossbeginn ca. 50-60 kg N/ha aufnehmen. Auf guten Böden insbesondere nach Blattvorfrüchten und gut entwickelten Beständen reichen häufig Startgaben von 30-50 kg N/ha aus. Die Andüngung mit schwefelhaltigen Stickstoffdüngern hat sich bewährt (15-20 kg/ha S).

Bei diesen Bedingungen kann eine Erhöhung der 1. Gabe auf 60-70 kg N/ha notwendig sein:
• bei hohen Niederschlägen von Oktober bis Anfang März ist mit einer Verlagerung von Bodenstickstoff und -schwefel in tiefere Bodenschichten zu rechnen
• bei nasskalten Witterungsbedingungen zu Vegetationsbeginn
• auf schweren, kalten, umsetzungsträgen Böden und auf Standorten mit ausgeprägter Frühjahrstrockenheit
• stark geschwächte Bestände nach Winter- bzw. Spätsaaten
• bei Getreidevorfrucht
• bei Düngung mit AHL, insbesondere bei Ausbringung mit Flachstrahldüsen
• Sorten, die eine höhere Bestandesdichte benötigen, wie POTENZIAL oder CHEVALIER, aber zu Vegetationsbeginn schwach entwickelt sind
• Einzelährentypen bestocken schwach, deshalb sollte auf Standorten mit guter Wasserversorgung zusätzlich die Triebbildung durch eine Erhöhung der N-Düngung gefördert werden, um das stand-orttypische Ertragspotenzial ausschöpfen zu können (AKTEUR, MUSKAT)

Bestandesdichten Weizensorten 2011  

Düngung in der Schossphase

Vom Schossbeginn (BBCH 30) bis zum Ährenschieben muss der Weizen ca. 60 bis 100 kg/ha N aufnehmen. Die Höhe des N-Angebots zwischen Bestockungsende und etwa Mitte der Schossphase entscheidet über die Reduktion der vorhandenen Bestockungstriebe und Ährchenanlagen. Als Faustzahl kann gelten, dass ca. 50 % der Triebe reduziert werden. Das Ziel am Ende der Bestockungsperiode ist, einen Bestand mit 220-300 Pflanzen/m² mit je 2 bis 3 kräftigen Halmen pro Pflanze zu erstellen, die gut ausgebildete Ähren produzieren können. Bei normaler Bestandesentwicklung und keinem akuten erkennbaren N-Mangel liegt der Termin der Schossergabe in EC 30/31.

Sind die Bestände am Ende der Bestockung schwach entwickelt (< 800 Triebe/m²), sollte die Schossergabe aufgeteilt werden und die erste Gabe bereits in EC 29/30 erfolgen, um die Triebreduktion zu unterbinden. Dies gilt besonders bei Sorten, die höhere Bestandesdichten benötigen (FAMULUS, POTENZIAL, CHEVALIER, MATRIX) und schwach bestockenden Sorten auf sehr guten Standorten (AKTEUR, MUSKAT). Bei nasskalter Witterung kann eine Erhöhung der Schossergabe um 20-25 % sinnvoll sein, da die Stickstoffnachlieferung verzögert ist. Die Ährengabe sollte dann entsprechend gekürzt werden. Eine Aufteilung der Schossergabe empfiehlt sich auch auf besseren, gut strukturierten Böden mit hoher Stickstoffnachlieferung und bei Sorten mit Neigung zu starker Triebbildung (DISCUS).

In üppigen Beständen kann die Schossergabe in EC 32 gelegt werden, um zu vermeiden, dass unnötige Triebe mitgeschleppt werden. Es darf aber auch kein gravierender N-Mangel auftreten, weil unter Umständen auch die Kornzahl pro Ähre reduziert wird.

Wichtig ist, dass sich die Terminierung der Maßnahme an der Bestandesentwicklung und dem BBC-Stadium orientiert und nicht am Kalendertag, denn frühe Sorten (PAROLI, MUSKAT) benötigen den Stickstoff natürlich früher als späte Sorten (AKTEUR, MATRIX). Insgesamt liegt die in der Schossphase zu düngende N-Menge bei 40-60 kg/ha.

 

DSV

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