Produktionstechnische Hinweise
Boden, Düngung, Saattermin
Auf vielen Standorten ist die Wintergerste das Sorgenkind unter den Getreidearten. In der
Praxis steht sie meist als abtragendes Fruchtfolgeglied nach Weizen. Damit verbunden sind häufig
schlechtere Nährstoffgehalte im Boden, da die Grunddüngung zur Blattfrucht durchgeführt wird. Viele
Betriebe haben auch jahrelang an der Grunddüngung gespart. Gerade in Ackerbaubetrieben ohne
Wirtschaftsdünger sind inzwischen oft Nährstoffdefizite festzustellen.
Eine ungünstige Bodenstruktur sowie höhere Mengen auf dem Acker verbliebenes, schlecht
zerkleinertes Stroh sind Ursachen für eine unzureichende Bestandesentwicklung. Dies verhindert in
vielen Fällen die Schaffung eines optimalen, gut rückverfestigten Saatbetts. Gerade die Gerste
benötigt zur optimalen Entwicklung aufgrund ihres schlechteren Wurzelsystems einen gut
durchwurzelbaren Boden. Die schlechtere Nährstoffversorgung muss durch angepasste Düngungsmaßnahmen
ausgeglichen werden. Eine Auswertung der bundesweiten Wertprüfung für Wintergerste der Jahre 2004
bis 2006 belegt, dass auch die Wintergerste nach Blattfrüchten deutlich höhere Erträge erzielt.
Nach Blattvorfrucht wurde im Mittel der drei Verrechnungssorten ein Ertrag von 96,4 dt/ha erreicht,
während nach Getreidevorfrucht 8 dt weniger geerntet wurden.
Ein weiterer Grund für enttäuschende Erträge sind auch zu frühe Saattermine mit in der Folge
überwachsenen Beständen vor Winter. Gerste reagiert deutlich empfindlicher auf zu frühe Saattermine
als Weizen. Aufgrund des Klimawandels und der milden Herbstwitterung mit späterem Vegetationsende
erfolgt immer öfter schon im Herbst ein Befall mit virusübertragenden Blattläusen.
Maßnahmen im Einzelnen:
- Ortsüblichen optimalen Saattermin möglichst einhalten
- Die vor Winter angelegten Triebe bestimmen maßgeblich den Ertrag. Mit Eintritt in die
Vegetationsruhe sollten neben dem Haupttrieb zwei bis drei kräftige Nebentriebe gebildet worden
sein. Dafür sind ca. 50 bis 60 Wachstumstage nach dem Feldaufgang notwendig (Temperatursumme von
400 bis 450 °C-Tage)
- Insbesondere auf Standorten mit längerer Vegetationszeit im Herbst sollte ggf. eine insektizide
Behandlung eingeplant werden, um eine Übertragung des Gelbverzwergungsvirus durch Blattläuse zu
verhindern.
- Strohrotte fördern durch frühzeitige, flache Einarbeitung, kurze Häcksellänge und
N-Ausgleichsdüngung mit Gülle oder Mineraldünger (AHL-Spritzung auf das Stroh hat sich
bewährt)
- Sorgfältige Saatbettbereitung mit guter Rückverfestigung (insbesondere bei großen Strohmengen
und Trockenheit). Auf keinen Fall bei zu nassen Bodenverhältnissen bearbeiten.
- Bei Strohdüngung, geringem Boden-N-Gehalt, strukturgeschädigten Böden, ungünstiger Witterung
N-Gabe von 30 kg/ha im Herbst
- Herbizidmaßnahmen im Herbst durchführen
- Makro-Nährstoffversorgung kontrollieren und aufdüngen. Blatt- und Bodenanalysen zeigen immer
häufiger eine Unterversorgung der Böden mit einzelnen oder mehreren Nährstoffen, besonders in
Ackerbaubetrieben. Phosphor z.B. wirkt sich sehr fördernd auf die Jugendentwicklung aus, bei
niedrigen Temperaturen ist die Aufnahme deutlich reduziert. Unter diesen Bedingungen insbesondere
auf strukturgeschädigten Böden ist eine Gabe schon im Herbst vorteilhaft. In Versuchen konnten
deutliche Ertragseffekte erzielt werden.
- Eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen ist sicherzustellen. Besonders wichtig
Mangan, Kupfer, Zink und teilweise auch Bor.