Grünland winterfest machen

Grünland auf die kalte Jahreszeit vorbereiten

Das Ziel des Grünlandmanagements im Spätsommer bzw. Herbst muss es sein, das Grünland winterfest zu machen. Entscheidende Einflussgrößen auf die Überwinterung der Gräser sind Nutzungstiefe, -termin, -intensität und N-Düngung aber auch Grasart und Sorte.

Die Gräser bilden in jedem Jahr aufs Neue eine eigene Kälteresistenz aus, indem sie vermehrt Wasser und Zucker im Gewebe einlagern. Wasserlösliche Kohlenhydrate verhindern die Eiskristallbildung in den Pflanzenzellen. Gleichzeitig nimmt die Stoffwechselaktivität ab und das Wachstum wird langsamer. In unserem Klima beginnt bei Gräsern ab September der Aufbau der Kälteresistenz und setzt sich fort bzw. verstärkt sich bis Anfang Dezember. Ausschlaggebend sind dabei die kürzere Tageslänge, die tieferen Temperaturen und auch die stärkeren Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Im folgenden Frühjahr wird diese Kälteresistenz mit einsetzender Vegetation wieder abgebaut.

Im Herbst sollte die Nutzungstiefe 5-7 cm nicht unterschreiten. Denn für eine sichere Überwinterung müssen die Gräser im Stande sein, ein ausreichendes Reservestoffdepot für den Aufbau der Kälteresistenz, den Erhaltungsbedarf in der Winterruhe und den Wiederaustrieb im Frühjahr anzulegen. Als Speicherort dienen entweder Wurzeln, Rhizome, Sprossteile oder oberirdische Kriechtriebe. Dafür benötigen die Gräser eine ausreichende Blattfläche und Assimilationsleistung. Zusätzlich müssen die Blätter gesund und frei von Rost und anderen Schaderregern sein. Doch nicht nur ein zu kurzer sondern auch ein zu üppiger Grasbestand (> 10 cm) ist von Nachteil für die Überwinterung. Zu hohe Futterbestände bzw. Weidereste auf dem Grünland können im Winter zu erheblichen Narbenschäden führen. Abgefrorenes und abgestorbenes Pflanzenmaterial erstickt die Narbe und wird vermehrt von Pilzen befallen. Vor allem unter einer geschlossenen Schneedecke kann sich Schneeschimmel (Fusarium) gut ausbreiten und zu großen Ertragsausfällen führen. Darüber hinaus finden tierische Schaderreger wie Feld- oder Wühlmäuse eine gute Rückzugsmöglichkeit in den höheren Beständen und richten großen Schaden an. Wiesenschnaken legen ihre Eier bevorzugt in Pflanzenresten ab. Die schlüpfenden Tipula-Larven schädigen im folgenden Frühjahr die einzelnen Pflanzen, indem die Wurzeln der Gräser kurz unterhalb der Bodenoberfläche abgebissen werden.
Die letzte Nutzung (Schnitt oder Beweidung) des Grünlandes ist von der Witterung vor Ort abhängig. Milde Temperaturen und ausreichend Feuchtigkeit im Herbst können noch eine Nutzung im Oktober notwendig machen. Ziel ist es, die Bestände kurz und mit geringen Mängeln in den Winter zu schicken. Denn die Bestandeshöhe vor dem Winter beeinflusst somit die Entwicklung im folgenden Frühjahr und kann ertragsrelevant sein. Trittschäden oder Fahrspuren sollten vor dem Winter noch einmal mit der Schleppe beseitigt werden. Zur Beseitigung von Mängeln und Lücken im Bestand kann auch noch eine Nachsaat vorgenommen werden, damit sich im Herbst und Frühjahr keine unerwünschten Gräser und Kräuter im Bestand etablieren können.

Die N-Düngung in Kombination mit der Nutzungsintensität ist ebenfalls bestimmend für die Überwinterung der Gräser. Eine hohe N-Düngung bedingt eine hohe Nutzungsintensität. Denn hohe, ungenutzte N-Gehalte im Boden gegen Ende der Vegetationsperiode regen das Wachstum der Gräser an, während sie eigentlich in die Ruhephase übergehen sollten. Die Reservestoffe in den Pflanzen können dadurch um bis zu 50 % abnehmen und im Winter bzw. Frühjahr fehlen. Bei einer erhöhten Nutzungsfrequenz des Grünlandes wird der Stickstoff im Boden genutzt und im Bestand wird der Anteil der bodennahen Blätter erhöht. Die Blattfläche und damit Assimilationsfläche steigt an.

Auch mit der Wahl der eingesetzten Gräsermischungen kann aktiv auf die Überwinterung des Bestandes Einfluss genommen werden. Die Gräserarten des Grünlandes und auch die Sorten innerhalb der Arten reagieren unterschiedlich auf die tiefen Temperaturen der Wintersaison, da die Kälteverträglichkeit erblich bedingt ist. Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel und Wiesenrispe sind sehr kälteverträglich. Die Wiesenrispe geht in den Zustand der Winterruhe über und stellt das Wachstum komplett ein, die Rispe nimmt keine Nährstoffe mehr auf. Das Deutsche Weidelgras jedoch wächst auch im Winter weiter, nur erheblich langsamer als zuvor, und nimmt weiterhin Nährstoffe auf. Vor allem bei wechselnden Temperaturen im Winter ist das Deutsche Weidelgras dann auswinterungsgefährdet, da durch das Wachstum bei wärmeren Perioden der Kälteschutz abgebaut wird. Doch gerade darauf haben die Züchtung und die Zulassungsstellen reagiert. Alle Neuzüchtungen werden neben vielen anderen Kriterien auch auf Ausdauer und Winterhärte geprüft. Die Landwirtschaftskammern des norddeutschen Bundes beispielsweise legen Moorprüfungen für Neuzulassungen des Deutschen Weidelgrases an, um die Ausdauer der Sorten und die Eignung für kalte Standorte zu bestimmen. Denn gerade beim Deutschen Weidelgras treten starke Sortenunterschiede bei der Kälteverträglichkeit auf. Einige Sorten sind sehr widerstandsfähig gegen Schneeschimmel und eignen sich für schneereiche Standorte, während andere Sorten eine sehr hohe Kälteresistenz ausbilden und auf kahlfrostgefährdeten Standorten bestehen können.
Es empfiehlt sich, Grünlandmischungen für die Aussaat zu wählen, die in ihrer Zusammensetzung an den Standort angepasst sind und aus den für das Gebiet empfohlenen Sorten bestehen.
 



DSV

Ihr Berater vor Ort

Ihre Postleitzahl:
suchen

Die Mischungen der COUNTRY Grünland-, Feldgras- und Energyprogramme werden über ausgewählte Händler und Genossenschaften vertrieben. Bei Nichtverfügbarkeit einzelner Sorten werden diese durch gleichwertige ersetzt.

Download

Broschüren und Infos

Newsletter

kostenlos informieren